Fitnesstraining auf Eis und Schnee

[01.10.2015] Das Fahren auf Eis und Schnee will gelernt sein. Kaum sind die ersten Schneeflocken gefallen, schlittern Fahrzeuge unsicher auf winterlichem Asphalt.

„Viele Lenker können sich auf die schnell wechselnden Fahrbahnsituationen nicht oder nicht rechtzeitig einstellen. Es wird hektisch gelenkt, zu viel Gas gegeben und zögerlich gebremst“, sagt Uwe Strobel.

Seit Jahren hilft der Trainer im ADAC-Fahrsicherheitszentrum Linthe Autofahrern in die sichere Spur. In Winterfahrtrainings lernen sie Grenzsituationen kennen und meistern. Die Lektionen.

Taktvoll schalten

Auf Schnee und Eis gelingt das Anfahren im zweiten Gang. Danach schnell, mit Gefühl und wenig Gas hochschalten, sonst drehen die Räder durch. Automatik-Autos starten im Wintermodus.

Schneewehen durchpflügen Alpinisten am besten im Schunkel-Takt: erst planieren, dann mit Schwung über das Hindernis. Hier punkten auch qualitativ hochwertige Winterreifen und Schneeketten, denen eine Unterrichtseinheit extra gewidmet ist.

Rechtzeitig orientieren

„Hinschauen kann man nicht verhindern, wegschauen muss man trainieren“, sagt Strobel und schickt die Fahrschüler zu den Wasserfontänen. Hier gilt: Vor Hindernissen den Blick drei bis vier Sekunden in Fahrtrichtung lenken und bei Einfahrt in die Kurve schon den Ausgang im Fokus haben.

Wer rechtzeitig die Lücke zum Ausweichen erkennt, kann die Gefahr umschiffen. Fahrerassistenzsysteme leisten viel, haben aber in der Regel noch keine „Augen“.

Gefühlvoll lenken

Früh, weich und wenig lauten die Schlagworte, wenn es um das sichere Lenken geht. Heiße Drifts machen Spaß, gelingen unbeschadet aber nur Rallyefahrern. Viele und ruckartige Lenkmanöver bringen das Auto zum Wanken, es bricht aus.

In diesem Fall hilft es, gefühlvoll gegenzulenken, gegebenenfalls zu kuppeln, das Auto in Fahrtrichtung zu halten, zu stabilisieren und wenn nötig voll zu bremsen. In Linthe ein klarer Fall für die hydraulische Dynamikplatte.

Voll bremsen

Strobel nennt auch hier eine Regel: schnell, hart und nachdrücklich. Für viele Kursteilnehmer ist die Gefahrbremsung eine wichtige, weil seltene Erfahrung. Im Notfall schiebt der Fahrer dann keine Panik, sondern nur mit dem Auto über das Ziel hinaus.

Für alle, die das Training noch nicht absolviert haben, bringt die Proberunde auf einem leeren Parkplatz Klarheit: Bei welchem Tempo rutscht das Fahrzeug nach einer Vollbremsung weiter? Und wann bricht es in der Kurve aus?

Sicher überholen

Überholen ist immer ein Risiko und braucht auf Eis und Schnee vor allem Zeit. Erst wenn kein Gegenverkehr in Sicht ist, wird ohne abrupte Lenk-, Brems- und Schaltmanöver langsam und weich aus- und wieder eingeschert.

Das Ärgernis vieler Räumfahrzeug-Fahrer: Autos überholen und stellen sich vor den Helfern quer. Damit ist keinem geholfen. Also: besser hinter dem Koloss bleiben. Soviel Zeit muss sein. Auf Schneematsch haben Reifen übrigens in den Fahrspuren den besten Grip, auf Eis fährt man besten leicht versetzt.

Zum Training

Die Winterfitness bieten neben den Automobilklubs die Deutsche Verkehrswacht, Prüforganisationen oder Fahrzeughersteller.

Ein Vorzug, der für alle gilt: Mit dem Zertifikat in der Hand gewähren Berufsgenossenschaften Zuschüsse und einige Versicherer Rabatte in der Vollkasko.

Letzte Änderung: 01.10.2015