2016 brachte Umsatzrekord im Kfz-Gewerbe mit 31 Milliarden Euro und „Rekord-Ärger“ wegen Diesel-Abgasen

Stuttgart. „Rekordwerte und ‚Rekord-Ärger‘ prägten das Autojahr 2016 in Baden Württemberg und wirken auch ins Jahr 2017 hinein“, sagte Dr. Harry Brambach, Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg bei der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Stuttgart. Für Rekordwerte sorgten die Autokäufer, für „Rekord-Ärger“ die Diskussionen um die Diesel-Fahrzeuge und ihre Schadstoffwerte. „Privatleute und Firmen sorgten für einen Rekordumsatz von 31 Milliarden Euro, von denen 24 Milliarden Euro in die Autohäuser und Werkstätten geflossen sind. Das ist für unsere Branche ein Umsatzplus von 12,8 Prozent.“ Allerdings sei die Umsatzrendite nur von 1,4 auf 1,6 Prozent gewachsen. „Von den notwendigen drei Prozent sind wir noch weit entfernt.“ Nach wie vor profitierten die Hersteller stärker von steigenden Umsätzen als die Autohäuser und Servicebetriebe. 

Für den „Rekord-Ärger“ hätten einige Fahrzeughersteller und Bundesbehörden gesorgt: „Um es auf den Punkt zu bringen, wir hätten den ganzen Ärger und die laufenden Fahrverbotsdiskussionen nicht, wenn aus den Auspuffanlagen nur das an Schadstoffen käme, was auf dem Papier steht.“ Kritik übte der Präsident als Vertreter von rund 4.300 Mitgliedsbetrieben mit über 54.000 Beschäftigten an der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und ihrer Forderung nach flächendeckenden Ganzjahres-Komplettfahrverboten für Diesel: „Das bestraft nicht nur die Dieselbesitzer, die sich auf die von den Herstellern versprochene Umweltfreundlichkeit ihrer Dieselfahrzeuge verlassen haben. Mit dieser Quasi-Enteignung würden sie für das Fehlverhalten anderer zur Verantwortung gezogen.

Ganzjährige Fahrverbote wären auch ein erheblicher Eingriff in die wirtschaftliche Existenz unserer Kraftfahrzeugbetriebe und ihrer Beschäftigten, denn jeder Betrieb, der in einer Fahrverbotszone liegt, wäre damit für Dieselkunden nicht mehr erreichbar.“ 

„Gäbe es die Diskussionen um die Diesel und ihre Schadstoffwerte nicht, das Jahr 2016 wäre fast durchweg die helle Freude für das baden-württembergische Kraftfahrzeuggewerbe gewesen“, sagte Dr. Harry Brambach zur Entwicklung 2016. Das Auto sei mit einem Anteil von 50 bis 73 Prozent an den zurückgelegten Wegen in der Stadt und auf dem Land unverzichtbar. Die Mobilitätsbedürfnisse schlügen sich auch in den Zahlen nieder. Für 2017 rechnet das baden-württembergische Kraftfahrzeuggewerbe mit stabilen Absatzzahlen: 450.000 Pkw-Neuzulassungen und über einer Million Gebrauchtwagen-Besitzumschreibungen. 

Kritisch betrachtet Dr. Brambach die Rolle der Autohersteller im Neuwagenhandel: „Insgesamt stieg der Umsatz mit Neuwagen von 12,5 auf rund 13,7 Milliarden Euro. Von diesen 13,7 Milliarden Euro wurden aber nur knapp neun Milliarden Euro über den Handel in unseren Betrieben erzielt. Das sind zwei Drittel des Gesamtumsatzes. Ein Drittel erzielten die Hersteller durch Direktverkäufe.“ Nach wie vor profitierten die Hersteller stärker von steigenden Umsätzen als Autohäuser und Servicebetriebe. „Vom Neuwagenhandel kann ein Autohaus heute in der Regel nicht mehr leben. Wir können hier durchaus auch von einem Verdrängungswettbewerb durch die Hersteller sprechen.“ 

Trotzdem fiel die Bilanz angesichts von zusätzlichen Rekordumsätzen im Gebrauchtwagenbereich (9,4 Milliarden Euro) und bei den Werkstätten (4,19 Milliarden) positiv aus. Durch einen Bestandsrekord bei den Pkw (6,28 Millionen) und anderen Fahrzeugarten sei die Beschäftigung gesichert, sagte Pressesprecher Klaus Heschke.

Gesichert sei auch der Übergang der Werkstätten ins Elektromobilitätszeitalter und die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen im Kfz-Gewerbe: „Die Attraktivität aller Autoberufe ist ungebrochen.“ Mit insgesamt 4.044 Ausbildungsverträgen „haben wir einen neuen Ausbildungsrekord.“ 

Nur der „Rekord-Ärger“ rund um den Diesel trübe das positive Bild des Automarktes. Dr. Brambach kritisierte Autohersteller und Bundesbehörden: „Wenn die Deutsche Umwelthilfe Dieselfahrzeuge verschiedener Marken testet und deren Abgase im Echtbetrieb das Mehrfache an Schadstoffen enthält, das eigentlich drin sein sollte, dann lässt sich dieser Kritik schwer widersprechen.“ Er kritisierte aber auch die Deutsche Umwelthilfe. „Flächendeckende ganzjährige Fahrverbote für Diesel“ könnten nicht die Lösung sein: „Wir meinen, der erste Schritt muss sein, über das Bundesverkehrsministerium oder durch den Gesetzgeber Regelungen zu schaffen, die für die Einhaltung der genehmigten Schadstoffwerte auch im tatsächlichen Fahrbetrieb sorgen. Ein wichtiger Schritt wird auch die Wiedereinführung der Abgasmessung am Endrohr in Kombination mit der elektronischen OBD-Prüfung bei der Abgasuntersuchung (AU) ab 1. Juli sein.“ 

Die Werkstätten würden gerne mithelfen, „dass gesetzliche Grenzwerte flächendeckend eingehalten werden“. Wichtig sei aber auch, „dass Wertevorgaben und Messmethoden, nach denen wir messen, so gestaltet sind, dass sie dem entsprechen, was nachher im Realbetrieb auf der Straße aus dem Auspuff kommt. Wir wollen saubere Autos, keine Stinker.“

Letzte Änderung: 02.03.2017Webcode: 0111782