Autogipfel im Bundeskanzleramt: Wo bleibt die Unterstützung für die Kfz-Betriebe?

[10.09.2020] Stuttgart/Berlin. Wieder ist ein Autogipfel im Bundeskanzleramt zu Ende gegangen. Leider wieder ohne Beteiligung des Kfz-Gewerbes. „Es ist unbegreiflich, dass das Kfz-Gewerbe wieder ausgespart wurde“, kritisiert Michael Ziegler, Präsident des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg, das Bundeskanzleramt. „Uns zu ignorieren, heißt, in Baden-Württemberg über 4.200 Kfz-Innungsbetriebe mit rund 53.000 Beschäftigten und über 9.000 Auszubildenden zu ignorieren. In Gesamtdeutschland sprechen wir von rund 37.000 oft mittelständisch geprägten Autohäusern und Werkstätten mit knapp 450.000 Mitarbeitern.“ Dabei habe das, was auf dem Autogipfel besprochen wird, direkte Auswirkungen auf Autohäuser und Werkstätten. „Es gibt in der Automobilwirtschaft nicht nur Hersteller und Zulieferer mit ihren berechtigten Sorgen, sondern auch das Kfz-Gewerbe,“ so Ziegler weiter.

„Wer etwa die Elektromobilität fördern will, muss auch die Kfz-Betriebe einbeziehen. Denn diese müssen innerhalb kürzester Zeit Milliardenbeträge investieren, um beispielsweise die elektrische Infrastruktur in Gebäuden und auf dem Firmengelände anzupassen. Und das ohne die Dynamik eines marktgetriebenen Trends zur Elektromobilität, die eine Amortisation der Investitionen in Aussicht stellen würde, sondern aufgrund einer politisch getriebenen. Die Transformation trifft nun auch noch auf die Corona-Krise, die die Rücklagen schneller auffrisst, als die Politik eine Innovationsprämie auch nur diskutieren kann.“

Daher fordere das Kfz-Gewerbe mehr Unterstützung, auch mit Blick auf einen möglichen Beteiligungsfonds zur Stärkung des Eigenkapitals. „Der wirtschaftliche Druck, den unsere Betriebe aktuell haben, ist immens. Hier wird das Geschäft mit dem Endkunden gemacht, hier lernt er die Produkte kennen, hier entscheidet er, was er künftig fahren wird. Das Kfz-Gewerbe ist ein wichtiger Baustein der Automobilwirtschaft und die zentrale Schnittstelle zum Kunden, die für den Erfolg alternativer Antriebe am Markt entscheidend ist“, so Präsident Ziegler mit Hinweis auf einen Rückgang von rund 30 Prozent bis Juli bei den Neuwagenzulassungen in Baden-Württemberg. „Nur mit einer Gesprächsbeteiligung des Kraftfahrzeuggewerbes bei den Autogipfeln könnten Ergebnisse erzielt werden, die nicht die Gefahr einer Benachteiligung der Branche bergen. Denn nur so könnten die Hersteller, die gerne öffentliche Förderungen einstreichen, auch in die Pflicht genommen werden, im Gegenzug nicht ihre Händler zusätzlich zu belasten, indem sie ihnen die kostspieligen Positionen aus dem von der Politik verordneten Lastenheft zuschieben.“

Eine Enttäuschung des Autogipfels sei außerdem die offenbar nicht weiter verfolgte Kaufprämie für saubere Verbrenner. Das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg mache sich nach wie vor dafür stark, eine Verbrenner-Förderung inklusive der Berücksichtigung junger Gebrauchtwagen zur schnelleren Flottenerneuerung einzuführen. „E-Autos sind nicht für jedermann praktikabel. Die jüngsten Zulassungszahlen zeigen außerdem, dass Kunden unter anderem aus Kostengründen aktuell eher zum Gebrauchtwagen greifen. Bei jungen Gebrauchtwagen handelt es sich oft um fast neue Autos mit der modernsten Technik, die geringe Emissionen garantiert. Der Übergang zu neuen Antriebsformen muss ökologisch sinnvoll, aber auch ökonomisch vertretbar sein.“

Letzte Änderung: 10.09.2020Webcode: 0131231