Blitzumfrage im Kfz-Gewerbe: Ohne Öffnung des Kfz-Handels droht Insolvenzwelle

[08.04.2020] 

Stuttgart. Kurzarbeit ist für 82,1 Prozent der Kfz-Betriebe in Baden-Württemberg das Mittel der Wahl, um auf zurückgehende Nachfrage bei Werkstattterminen zu reagieren. Über die Hälfte baut Arbeitszeitkonten ab. Das sind zwei Ergebnisse einer Blitzumfrage, die der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg unter seinen Mitgliedern gemacht hat: „Dass die Zahl der Betriebsinhaber und Geschäftsführer, die Angst vor kurzfristiger Zahlungsunfähigkeit haben, von 40 auf 35 Prozent gesunken ist, ist mitten in der Krise eine positive Nachricht, die sicher auch auf den verschiedenen Stützungsmaßnahmen von Bund und Land basiert“, sagt Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. Fast zwei Drittel der befragten Betriebe haben die Soforthilfe beantragt, 46,2 Prozent nutzen die Möglichkeit, Steuern und Beiträge stunden zu lassen. 22,5 Prozent wollen Überbrückungskredite nutzen. Dass es jetzt kurzfristige KfW-Kredite für KMU ab zehn Mitarbeitern mit einer hundertprozentigen Haftungsfreistellung geben soll, sei auch ein Erfolg der Verbandsarbeit „und für unser Gewerbe maßgeschneidert, um die Förderlücke bei Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern zu schließen".

Den Nachfragerückgang bei den Werkstattdienstleistungen, nennt er angesichts der wirtschaftlichen Lage der Betriebe „fast tragisch: Nie war es einfacher, einen Werkstatttermin zu bekommen.“ Das gelte auch für den anstehenden Räderwechsel: „Wer jetzt verschiebt, steht nachher Schlange.“

Was noch fehle, „ist die Öffnung des Verkaufs von Neu- und Gebrauchtwagen, damit die Hälfte der Kfz-Betriebe, die zur Werkstatt auch Handel betreiben, wieder auf wirtschaftlich sicheren Beinen stehen“. Dieses Auslassventil sei auch für Automobilhersteller und Zulieferer sowie alle Beschäftigten der gesamten Automobilwirtschaft unerlässlich, um auf Sicht die Produktion wieder hochfahren zu können. „Ohne Abfluss der Ware aus dem Handel kann es keinen Zufluss aus den Werken in den Handel geben“, stellt Beuß klar. In Autohäusern und auf Verkaufsflächen im Freien ausreichenden Corona-Abstand zu halten, „ist ein lösbares Problem. Wir können auch Mundschutz bereitstellen, wenn das die Wiederöffnung beschleunigt.“ Den rechtzeitigen Verkauf des derzeitigen Lagerbestandes an Neu- und Gebrauchtwagen möglich zu machen, sei „entscheidend dafür, wann das Kfz-Gewerbe über den Berg ist. Jedes verkaufte und zugelassene Auto hilft, jedes nicht verkaufte Auto belastet, denn die Bestände sind in der Regel vorfinanziert". In den Beschreibungen zur Betriebslage stehe in der Blitzumfrage zudem zu lesen, dass „bei den Gebrauchtwagenbeständen mit hohem Wertverfall zu rechnen sei. Das ist eine reale Bedrohung und gefährdet Arbeitsplätze.“ Es drohe eine verzögerte Insolvenzwelle.

Das Kfz-Gewerbe sei extrem stimmungsabhängig und „ob insbesondere Firmen nach der Corona-Krise in Stimmung seien, neue Autos zu kaufen oder zu leasen, hänge davon ab, wie schnell die Wirtschaft wieder anspringe. „Wir gehen deshalb weiter davon aus, dass fürs das Kfz-Gewerbe ein Zuschussprogramm notwendig wird, der Einbruch von über 30 Prozent bei den Zulassungszahlen spricht da eine klare Sprache.“ Verschlimmernd komme hinzu, dass 61,3 Prozent der Betriebe von der Stornierung von Aufträgen berichte. „Dafür brauchen wir dringend Ersatzaufträge, die wir nur bekommen, wenn der Autohandel wieder freigegeben wird.“ Bleibe es bei der Schließung der Autohäuser, müsse Baden-Württemberg ein Zuschussprogramm auflegen, das sich beispielsweise an den Umsätzen des Vorjahres („die stehen in den Umsatzsteuererklärungen“) orientieren könne und zumindest einen Teilausgleich biete. Carsten Beuß: „Konkurse sind weiter eine reale Gefahr, wenn Verkauf und Service nicht schnell wieder genügend Umsatz bringen. Und wenn Baumärkte gefahrlos zu managen sind, dann Autohäuser erst recht – deren Besucherfrequenz ist viel niedriger.“

Letzte Änderung: 25.05.2020Webcode: 0129053