Chipkrise: Kfz-Gewerbe fordert, E-Autoförderung nach Bestelldatum zu richten, nicht nach dem Zulassungsdatum

Hunderttausende E-Autokäufer könnten wegen langer Lieferzeiten leer ausgehen

Stuttgart. Das baden-württembergische Kraftfahrzeuggewerbe fordert in der wirtschaftlich bedrohlichen Zange zwischen Corona und Chipkrise Hilfen von den Herstellern und der Regierung: „Die Hersteller sind dringend gefordert, den Handel besser zu unterstützen. Und politische Störfeuer können wir derzeit gar nicht gebrauchen“, fasste Michael Ziegler, der Präsident des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg bei der Online-Delegiertenversammlung des Verbandes die aktuelle Krisensituation in den Kfz-Betrieben zusammen.  Michael Ziegler forderte, die E-Auto-Förderung ab 2022 zügig auf den Weg zu bringen und die Förderung zum einen jetzt schnell zu verlängern, auf alle Fälle aber vom Zulassungsdatum zu entkoppeln: „Wir fordern die Politik auf, in den Förderbedingungen für E-Autos das Bestelldatum als maßgeblich festzusetzen und nicht das Zulassungsdatum. Damit wäre den Autokäufern und Kfz-Betrieben, die jetzt E-Autos kaufen bzw. verkaufen, aber nicht wissen, ob die Fahrzeuge noch vor dem 31. Dezember geliefert werden, sehr geholfen. Noch immer fehlt die neue Förderrichtlinie, dies ist angesichts der Klimadiskussion und der Lieferzeitenkrise in der Automobilwirtschaft ein Unding."

An die Betriebe richtete Ziegler den Appell, sich bei der Impfung zu engagieren: „Organisieren Sie betriebliche Impfangebote.“ Corona, verzögerte Fahrzeugproduktion und lange Lieferzeiten mit Kundenvertröstungen sind aber nur ein Teil der Herausforderungen, die die Branche bewältigen muss, denn alles wandelt sich rapide: „Die Transformation, beschleunigt durch immer strengere Vorgaben des Klimaschutzes, ist in vollem Gange. Dazu kommen Digitalisierung, neue Vertriebsmodelle und Fachkräftemangel.“ Eines sei klar: „Die Hersteller haben die Weichen in Richtung Elektromobilität längst gestellt und unsere Betriebe müssen sich darauf einstellen.“ Das Kfz-Gewerbe mit seinen über 4.000 Kfz-Betrieben in Baden-Württemberg und den rund 52.000 Beschäftigten sei Schlüsselpunkt bei der Umsetzung: „Wir richten den Fokus auf die Unterstützung der Betriebe beim Anpacken der E-Mobilität und leisten Hilfestellungen.“ Michael Ziegler schlug dabei aber auch den Bogen von Baden-Württemberg zur globalen Situation, wie sie in Glasgow beschrieben wurde: „Der internationale Ansatz, den wir beim Thema Klima brauchen, ist nach wie vor viel zu wenig vorhanden.“ Nur ein bisschen Hoffnung mache ein Pakt zwischen China und den USA als den beiden größten Treibhausgasemittenten: „Wir brauchen weltweit mehr Anstrengungen beim Klimaschutz, nicht nur in Deutschland und Europa.“

Abgesehen von den Veränderungen durch den Klimaschutzes stehe der Autohandel aber vor „den wohl massivsten Umwälzungen, die es in der Nachkriegszeit gegeben hat“. Denn die bisherigen Strukturen würden radikal geändert: Verkaufsprozesse und Kundenkommunikation würden digitalisiert, auch wenn der direkte Kontakt zu den Kunden in den meisten Fällen entscheidend bleibe. Vor allem aber würden die finanziellen Beziehungen zwischen Herstellern und Händlern auf eine neue Basis gestellt: In der Debatte ist ein Agentursystem, das zwar finanzielle Vorteile beim Kapitaleinsatz hat. Aber auch Nachteile. Ziegler: Es bedeute „weniger unternehmerische Freiheit für den Einzelnen. Die Abhängigkeit vom Hersteller wächst. Wir müssen äußerst wachsam sein, dass die Rahmenbedingungen für Autohäuser künftig noch ein auskömmliches Wirtschaften ermöglichen.“

Letzte Änderung: 24.11.2021Webcode: 0135430