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Jahrespressekonferenz: Mit stabilen 23,9 Milliarden Umsatz hat sich das Kfz-Gewerbe in einem gespaltenen Automarkt gut behaupten können

Stuttgart. "Trotz der Diskussionen um Fahrverbote und blaue Plaketten ist das Kfz-Gewerbe 2017 mit einem blauen Auge davongekommen", zog Dr. Harry Brambach, Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg, bei der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Stuttgart Bilanz. "Mit 23,9 Milliarden Euro blieb der Anteil des baden-württembergischen Kraftfahrzeuggewerbes am Gesamtmarkt rund ums Auto gegenüber dem Vorjahr stabil." Das liege daran, "dass das Auto schlicht unverzichtbar ist. Es ist ein gespaltener Automarkt entstanden. Der Diesel verliert zwar in der Käufergunst, aber die anderen Antriebsarten gewinnen und in Summe gleicht sich das aus", so Brambach. Im laufenden Jahr 2018 wolle er aber "eine derart chaotische und teilweise mit Blick auf Autobesitzer sowie unsere Betriebe und deren Beschäftigte unverantwortliche Diskussion nicht mehr erleben. Die Regierung muss jetzt tun, wozu sie da ist: Festlegen, was mit den Dieselfahrzeugen passieren muss, damit wie versprochen Fahrverbote vermieden werden. Und festlegen, wie Dieselnachrüstungen oder der Austausch alter Diesel finanziert werden können." Unter diesen Voraussetzungen rechne das Kraftfahrzeuggewerbe für 2018 in Baden-Württemberg mit einer stabilen Entwicklung und "einem leichten Wachstum bei den Neuzulassungen auf rund 480.000 Pkw". Die Entwicklung auf dem Gebrauchtwagenmarkt sei ohne Kenntnis der Regierungsentscheidungen in Sachen Fahrverbote nicht seriös vorherzusagen. "Wir hoffen auf Stabilität, aber die Regierung hat es in der Hand", sagte Brambach.

Von einem "gespaltenen Automarkt" spricht der Verbandspräsident mit Blick auf die unterschiedliche Entwicklung bei den Diesel-Pkw auf der einen Seite und den Benziner- und anderen Antriebsarten auf der anderen Seite. Dabei dürfe allerdings nicht vergessen werden, "dass die Dieseldebatte nicht nur negativ war. Sie hat beispielsweise über die Umstiegsprämien der Hersteller auch den Verkauf von neuen Pkw beflügelt." Der Austausch von schadstoffreicheren gegen schadstoffärmere Autos, sprich die Flottenerneuerung, sei dabei ein Baustein, "den das Kraftfahrzeuggewerbe von Anfang an als gutes Mittel zur Vermeidung von Fahrverboten befürwortet hat."

Gespalten ist der Automarkt aber auch deswegen, weil sich das Kfz-Gewerbe diesen Markt im Gebrauchtwagenbereich mit privaten Käufern und Verkäufern teilt. Alle Bereiche zusammengenommen lag der Gesamtumsatz im Automarkt im Südwesten bei 31,6 Milliarden Euro. Er ist um 1,7 Prozent gewachsen. Der Anteil des Kfz-Gewerbes lag bei 75,8 Prozent oder 23,92 Milliarden Euro, "damit wurde der Vorjahreswert von 23,94 Milliarden nur minimal verfehlt", sagte Brambach.

Er bewerte dies als Erfolg angesichts der Sondersituation, "dass wir im Autohandel einen Wettbewerb mit den eigenen Herstellern und Importeuren haben." Auf der Seite der Hersteller und Importeure gehe der Trend weiter dahin, "per Direktvertrieb den Rahm abzuschöpfen". Im Neuwagenvertrieb stieg beispielsweise der Absatz um rund 13.000 Pkw auf fast 473.000 Pkw (plus 2,88 Prozent), über die Autohäuser liefen dabei aber nur rund 303.000 Pkw. Mehr als ein Drittel der Neuwagen setzten die Hersteller also durch Direktverkäufe ab. Deswegen profitierten die Hersteller mehr vom steigenden Umsatz mit Pkw. Von Erlösen von insgesamt 14,5 Milliarden Euro im Neuwagenverkauf flossen nur 9,3 Milliarden an die meist mittelständischen Autohäuser. Brambach: "Fast 5,2 Milliarden haben die Hersteller direkt kassiert."

Damit bleibe es dabei, "dass wir weiter in einem Verdrängungswettbewerb mit den Autobauern stehen."Der Gebrauchtwagenhandel habe zunehmende Bedeutung für die Betriebsergebnisse und die laufende Dieseldebatte für Teile des Gewerbes deshalb "durchaus existenzbedrohende Züge. Dann nämlich, wenn die Autohäuser auf Diesel-Leasingrückläufern der Euro-5-Klasse sitzen blieben, die eigentlich als hochwertige Gebrauchtwagen abgesetzt werden sollten. Oder wenn sie gebrauchte Diesel-Pkw generell nur noch mit starken Abschlägen von den Höfen bekämen und damit keine Deckungsbeiträge für den Betrieb mehr erwirtschaften könnten: Die Gebrauchtwagen-Erlöse des Jahres 2017 liegen vor allem deswegen mit 11,4 Milliarden Euro rund 250 Millionen Euro (minus 2,18 Prozent) unter denen von 2016. Der Markenhandel konnte dabei von den Stückzahlen her zwar auf fast 503.000 Einheiten zulegen. Brambach sagte, bei 8,96 Milliarden Umsatz nach 9,36 Milliarden wie im Vorjahr gelte: "Mehr verkauft, weniger verdient". Der nicht markengebundene freie Gebrauchtwagenhandel sei mit minus 33.000 Besitzumschreibungen (minus 16,35 Prozent) deutlich stärker unter die Räder des Dieseldurcheinanders geraten. Den privaten Bereich habe es mit einem Minus von 5.000 privat gehandelten Pkw (minus 1,59 Prozent) nicht so stark getroffen.

Lichtblick und als drittes Standbein für den wirtschaftlichen Erfolg der Mitgliedsbetriebe von zunehmender Bedeutung sei der Service: "Wir freuen uns über einen erneuten Umsatzzuwachs im Service in Höhe von 0,6 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Das mag ein marginaler Zuwachs sein. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass dieses Plus auf einem hohen Niveau geschafft wurde", sagte Brambach. Der immer noch steigende Fahrzeugbestand trage hier zu einem stabilen Geschäft bei: "Allerdings werden die Autos immer wartungs- und reparaturfreundlicher. Das ist eine Entwicklung, auf die sich unsere Betriebe einstellen müssen."

2017 ist die Zahl der Beschäftigten und der Mitgliedsbetriebe leicht gesunken. Letzteres, sagte Dr. Brambach, sei der weiteren Konzentration im Kfz-Gewerbe geschuldet. Der Beschäftigtenrückgang um 700 auf 53.500 habe damit, aber auch mit dem angesprochenen sinkenden Wartungsaufwand zu tun. Die Zahl der Ausbildungsplätze habe das Kfz-Gewerbe mit 9.000 stabil gehalten. Brambach: "Wir sind stolz darauf, dass unsere Ausbildungsplätze begehrt sind."

Die Betriebe stellten sich bereits auf den Strukturwandel ein, der mit einer zunehmenden Zahl von alternativ angetriebenen Pkw verbunden sei. Brambach: "Die Steigerungsraten sind dabei imposant, die absoluten Zahlen eher noch marginal: 4.387 in ganz Baden-Württemberg neuzugelassene Elektro-Pkw sind ein Anteil von 0,3 Prozent am Gesamtmarkt. Die Elektroautos sind inzwischen auch nicht mehr allein, wenn es um lokal emissionsfreie Antriebsarten geht. Alternativen zu dieser alternativen Antriebsart sehen wir in den E-Fuels, also synthetisch hergestellten Treibstoffen unter Einsatz von Sonnenenergie, oder auch in der Brennstoffzelle."

Entscheidender für das wirtschaftliche Wohlergehen der baden-württembergischen Kraftfahrzeugbetriebe sei aber mit Blick auf die nahe Zukunft die Lösung der Dieselfrage. "Wir wissen inzwischen aus einer am Dienstag letzter Woche vorgestellten Studie des ADAC, an der auch unser Verband fachlich beteiligt war, dass Hardware-Nachrüstungen mit vertretbarem Aufwand möglich sind. Unsere Werkstattexperten schätzen den zeitlichen Aufwand für eine Nachrüstung auf sechs bis 16 Stunden. Von daher sind die vom ADAC genannte Preise für die Nachrüstung absolut plausibel, wobei sie eher im oberen Drittel der genannten Spanne liegen dürften.", so Brambach. "Für uns ist auch klar, welche Entscheidungen fällig sind, wenn eine neue Bundesregierung die Arbeit aufnimmt. Erstens, die Bundesregierung muss die gesetzlichen und faktischen Regelungen auf den Weg bringen, die für eine rasche Umsetzung und Zulassung einer Hardware-Nachrüstung notwendig sind. Zweitens, sie muss die Finanzierung regeln. Drittens: Es muss zumindest für Euro-5-Diesel eine klare Übergangsregelung geben, die diese Fahrzeuge zumindest bis zur Lieferbarkeit beziehungsweise dem Einbau eines Nachrüstsatzes von Fahrverboten ausnimmt. So etwas gab es in der Zeit der Partikelfilternachrüstung schon einmal: Da reichte die Bestätigung der Werkstatt, dass ein Nachrüstsatz bestellt ist, als Ausnahmegenehmigung."

Bei der Finanzierung sei die Politik besonders gefordert: "Die Nachrüstkosten von 1.400 bis 3.300 Euro können nicht an den Autobesitzerinnen und -besitzern hängenbleiben. Bei Euro-5-Fahrzeugen, bei denen nachweislich manipuliert wurde, muss eine Regelung gefunden werden, in welcher Form sich die Hersteller zu beteiligen haben. Am besten wäre ein Nachrüstfonds, der über Hersteller und Importeure entsprechender Fahrzeuge finanziert wird." Im Übrigen sei man auch für eine geförderte Nachrüstung auf freiwilliger Basis offen. "Dies wäre ein pragmatischer Ansatz, schnell zu Lösungen kommen zu können", so Brambach. Um einen fachgerechten Einbau zu gewährleisten, plädiere das baden-württembergische Kraftfahrzeuggewerbe dafür, "dass die Aufgabe der Nachrüstung staatlicherseits den anerkannten AU-Werkstätten übertragen wird, die als besonders vertrauenswürdig und kompetent ausgewiesen sind." Das Kfz-Gewerbe sei dafür, "dass jetzt zuerst alle Regelungen für eine Nachrüstung getroffen werden und erst dann wieder über Fahrverbote inklusive der Blauen Plakette diskutiert wird, wenn diese Arbeit getan ist. Wahrscheinlich hat sich das Diesel-Thema aber dann von selbst erledigt."

Nach dem Leipziger Fahrverbotsurteil, das gestern ergangen ist, müsse die Politik jetzt auch dafür sorgen, dass bei lokalen Verkehrsbeschränkungen durch Luftreinhaltepläne die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibe. So müsse bei künftigen Fahrverboten klar geregelt werden, welche Ausnahmeregelungen gelten - beispielsweise für betroffene Kfz-Betriebe und das Handwerk. "Vor allem aber ist die Bundesregierung dazu aufgerufen, einen Flickenteppich von unterschiedlichen Fahrverbotsregelungen, die zudem kaum kontrollierbar wären, zu verhindern. Denn das sorgt für noch mehr Verunsicherung bei den Autofahrern", so Brambach abschließend.

Letzte Änderung: 28.02.2018Webcode: 0118491