Kfz-Gewerbe: Erfolgreicher Kampf in der Corona-Krise braucht weitere staatliche Unterstützung

[24.07.2020] Stuttgart. Das baden-württembergische Kfz-Gewerbe kämpft mit den Auswirkungen der Corona-Krise, "aber es kämpft erfolgreich", sagt Michael Ziegler, Präsident des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. Er benannte bei der Online-Delegiertenversammlung des Kfz-Gewerbes zum Beweis "unserer erfolgreichen Arbeit" unter anderem den "relativ kurzen Lock-Down für den baden-württembergischen Autohandel bis zum 20. April, der maßgeblich auf unsere Initiative zurückging". Jetzt gehe es darum, die Krise zu bewältigen. In diesem Zusammenhang erneuerte er den Vorschlag des Kfz-Gewerbes, durch eine Umstiegsprämie auch den Kauf von Verbrennern zu fördern. "Das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen", sagt Michael Ziegler. Das Gewerbe reagiere auf die Krise mit erfolgreicher Stärkung der Digitalisierung in den Kfz-Betrieben und Kfz-Innungen. So wurden beispielsweise in der Region Stuttgart elektronische Gesellen-Prüfungen durchgeführt. Angesichts der Umsatzlage der Betriebe sei aber eine weitere Förderung des digitalen Umstiegs durch den Staat notwendig: "Wir brauchen finanzielle Förderungen im Bereich der Transformation der Automobilwirtschaft, der Digitalisierung und der Elektrifizierung und hier insbesondere der Infrastruktur in den Betrieben." Der Gesetzgeber sei zudem gefordert, rechtliche Weichen für die Zukunft zu stellen: "Wir brauchen einen verbindlichen Rechtsrahmen für den Zugang von Kfz-Betrieben zu fahrzeuggenerierten Daten. Und wir fordern hierbei eine harte rechtliche Regelung, um die Unabhängigkeit des Handels von den Herstellern und die Zukunftsfähigkeit der Freien Werkstätten zu sichern. Das kann über eine europäische Verordnung oder national durch die Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen geschehen, aber es muss geschehen."

Der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg vertritt rund 4.125 Mitgliedsbetriebe mit 52.200 Beschäftigten und knapp 10.000 Auszubildenden im Land. Michael Ziegler, der Präsident des Verbandes, konzentrierte sich in seiner Bilanz weniger auf 2019 als auf die Corona-Krise 2020: Hier habe sich die Bedeutung des Verbandes als schlagkräftige Organisation bewiesen, die die Interessen der Mitgliedsbetriebe und Innungen, aber auch der Beschäftigten auf der politischen Ebene vertreten kann. Außerdem habe der Verband seine Betriebe fast in Nullzeit tagesaktuell über Corona-Regelungen, Auslegungsfragen, Kurzarbeit, Arbeits-, Tarifrecht, Soforthilfen und andere Regelungen informiert. Was auch deswegen möglich gewesen sei, "weil wir in einer engen Kommunikation und Kooperation mit den Landesministerien direkt an der Entstehung vieler Entscheidungen beteiligt waren", wie auch Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß bestätigte.

Corona bestimme zwar im Moment noch das Geschäft. Die Zukunft bringe aber noch zusätzliche Weichenstellungen, bei denen der Staat bis hin zur EU-Ebene gefordert sei. Michael Ziegler: "Die Krise hat für einen Digitalisierungsschwung in unseren Betrieben gesorgt, was für die Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft noch ein wichtiger Faktor werden kann. Der Handel hat gezeigt, welchen Stellenwert er für die Hersteller bei der Vermarktung von Fahrzeugen auch über digitale Kanäle in Zukunft haben wird." Das Gewerbe brauche aber künftig verlässliche und planbare Rahmenbedingungen, um in eine erfolgreiche Zukunft durchzustarten. Dies sei auch für die Attraktivität der Branche als Arbeitgeber und für die Fachkräftesicherung ein wesentlicher Faktor.

Letzte Änderung: 24.07.2020Webcode: 0130388