Mit 24,4 Milliarden Euro Umsatz 2018 hat das Kfz-Gewerbe im Mobilitätsmarkt zugelegt

[05.03.2019] Stuttgart. "Gute Nachrichten für Menschen mit Auto waren im Autojahr 2018 eher selten, vergleichsweise gute Zahlen haben wir zumindest in formaler Hinsicht am Ende trotzdem", fasste Präsident Michael Ziegler bei der Jahrespressekonferenz des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg in Stuttgart die Entwicklung des Mobilitätsmarktes zusammen: "Das Auto ist die unangefochtene Nummer 1, wenn es darum geht, die Mobilitätswünsche der Menschen umzusetzen." Und Ausdruck dafür "sind die Zahlen, die ich heute vorlegen kann: 24,4 Milliarden Euro hat das baden-württembergische Kfz-Gewerbe mit Handel und Service umgesetzt, 511,3 Millionen Euro oder rund 2,1 Prozent mehr als 2017". Dieses Plus sei unter erschwerten Bedingungen wie Dieselfahrverboten, WLTP-Problemen, das Warten auf die Diesel-Nachrüstung sowie verwirrenden Regelungen bei den Umtauschprämien für Dieselautos zustandegekommen.

Als "besonderen Erfolg" verbuchte Michael Ziegler, "dass drei von vier Euro, die im Kfz-Markt umgesetzt werden, über unsere Kfz-Betriebe laufen". Warum, machte er an zwei Beispielen fest: Bei den Neufahrzeugen erschwerten die Hersteller den eigenen Händlern das Leben: "Fast 169.000 Pkw, die an uns vorbei abgesetzt werden, fehlen uns natürlich." Dieser Direktvertrieb sei auch mit ein Grund dafür, warum die Rendite auf 1,0 bis 1,3 Prozent gesunken sei.

"Autohandel und Kraftfahrzeugservice sind kein Zuckerschlecken, sondern ein beinhartes Geschäft", fasste Michael Ziegler zusammen, "aber wir beklagen uns nicht. Wir wollen nur endlich von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen, unter denen wir uns dem Wettbewerb stellen können." Das Auto habe mehr Zukunft, als seine Gegner denken: "Wer sich die Zahlen genau anschaut, sieht, dass die Menschen klar die Richtung vorgeben. Sie kaufen mehr Autos, nicht weniger." Ein Trend, von dem Michael Ziegler hofft, dass er sich in 2019 fortsetzt: "Wir haben alles im Angebot, was das Herz begehrt und die individuelle Mobilität sichert."

480.000 Neuzulassungen hatte der Verband vor einem Jahr als Ziel für 2018 vorgegeben. 480.095 sind es geworden. Michael Ziegler befürchtet jedoch, dass es 2019 schwerer wird, diesen Zuwachs von rund 1,6 Prozent im Vergleich zu 2017 zu sichern: "Es wäre schon ein Erfolg, auf dem Vorjahresniveau zu bleiben, zu erwarten ist allerdings eher ein leichter Rückgang der Nachfrage nach neuen Autos." Zur Entwicklung des Gebrauchtwagenmarkts sei eine Prognose schwierig. "Da hängt zu viel von Faktoren ab, die wir nicht in der Hand haben." Ohne Kenntnis der politischen Entscheidungen sei die Entwicklung nicht seriös vorherzusagen: "Nehmen wir einfach mal an, in Stuttgart fällt das Fahrverbot - dann würde der Gebrauchtwagenmarkt einen ungeahnten Push erleben, weil plötzlich Euro-5-Diesel wieder attraktiv werden."

Michal Ziegler erinnerte im Zusammenhang mit der laufenden Debatte um Stuttgarter Fahrverbote daran, dass das Kfz-Gewerbe bereits seit Monaten eine Aussetzung des Luftreinhalteplans und der Fahrverbote fordere. Dass das System und die Zahl der Messstellen jetzt überarbeitet werde, spreche zusätzlich zu der für Mitte März zu erwartenden Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes für eine Aussetzung. Das Gewerbe fordere dazu vor allem auch den Verzicht auf Euro 5-Fahrverbote. Wenn das Land auf Fahrverboten bestehe, müsse sichergestellt sein, dass für Nachrüstlösungen, die erst in ein paar Monaten zur Verfügung stehen, ein angemessener Zeitrahmen eingeräumt werde. Ein Modell dafür habe das Kfz-Gewerbe bereits vorgeschlagen. Der Nachrüstauftrag an eine anerkannte AU-Werkstatt bzw. der Auftrag, einen Nachrüstsatz zu bestellen, müsse als Nachweis genügen, um bis Ende 2020 freie Fahrt zu haben. "Die Zusage des Landes, dass softwarenachgerüstete Euro 5-Diesel mindestens zwei Jahre freie Fahrt haben, ist natürlich ebenfalls einzuhalten." Außerdem müsse sichergestellt sein, dass alle Kunden mit Euro 4- und 5-Dieseln Werkstätten und Kfz-Betriebe in Stuttgart erreichen können. Hierzu fehle es weiterhin an ausreichenden Regelungen durch die Landespolitik.

Michael Ziegler sieht einerseits die Hersteller, andererseits die politischen Rahmenbedingungen als entscheidende Faktoren an, warum sich Neuwagen- und Gebrauchtwagenmarkt 2018 ganz unterschiedlich entwickelt haben: "Der Neuwagenmarkt war von Zuwächsen geprägt, der Gebrauchtwagenmarkt von Verlusten fürs Gewerbe."

In Zahlen sieht das nach der Bilanz des Kraftfahrzeuggewerbes für Baden-Württemberg so aus: Der Gesamtumsatz im Automarkt im Südwesten lag bei 32,3 Milliarden Euro und ist um 2,5 Prozent gewachsen. Der Anteil des Kfz-Gewerbes lag bei 75,6 Prozent oder 24,4 Milliarden Euro, "damit wurde der Vorjahreswert (23,9 Milliarden Euro) deutlich überschritten", freute sich Michael Ziegler über den Zuwachs von 2,1 Prozent.

Im Neuwagenhandel habe sich Baden-Württemberg gegen den bundesweiten Negativtrend gestellt. So stieg beispielsweise der Absatz von Neuwagen um rund 7.400 Pkw auf über 480.000 Pkw (plus 1,57 Prozent). "Über die Autohäuser liefen dabei aber nur rund 312.000 Pkw. 168.500 Pkw setzten die Hersteller durch Direktverkäufe ab." Laut Michael Ziegler ist es "als Erfolg zu werten, dass unsere Handelsbetriebe um rund 8.100 Pkw zulegten, der Direktvertrieb aber um über 700 Einheiten verlor".

Von den Erlösen von 15 Milliarden Euro im Neu-Pkw-Verkauf seien dabei fast 9,7 Milliarden an die meist mittelständischen Autohäuser geflossen, "rund 5,3 Milliarden haben die Hersteller direkt kassiert. Das tut uns natürlich weh, auch wenn das Servicegeschäft bei uns bleibt". Ein Teil der Neuwagen-Umsätze wurde "natürlich über die Umstiegsprämien der Hersteller generiert. In diesem Punkt wirkte das Dieselchaos sporadisch als kleines Konjunkturprogramm". Da der Autohandel oft aber an den Kosten für die Prämie beteiligt werde, "senkt das den Deckungsbeitrag deutlich".

Damit gelte generell: "Vom Neuwagenhandel kann ein Autohaus heute immer weniger leben." In den letzten Jahren sei der Gebrauchtwagenhandel deswegen immer wichtiger geworden. Der legte 2018 aber den Rückwärtsgang ein. Hier bringe die "zurückhaltend formuliert, schleppende Arbeit der Bundesregierung bei der Nachrüstung und die Fahrverbotsdiskussion im Land die Kfz-Betriebe an den Rand der Belastungsfähigkeit". Diesel-Leasingrückläufer der Euro 5-Klasse, die eigentlich als hochwertige Gebrauchtwagen abgesetzt werden sollten, seien nach wie vor das Hauptproblem, und zwar selbst dann, wenn sie softwaremäßig nachgerüstet seien. "Davon, dass es immer noch keine Hardwarenachrüstung gibt, weil die Entscheidungen so lange verschleppt wurden, wollen wir gar nicht reden", sagte Michael Ziegler. Im Moment verursachten diese Autos hohe Standkosten und seien zudem nur "mit Abschlägen bis zu 30 Prozent und höher zu verkaufen, bedeuteten also ein Verlustgeschäft".

Die Zahl der Besitzumschreibungen sei um über 11.000 auf rund 974.000 zurückgegangen. Der Markenhandel habe dabei von den Stückzahlen her sogar fast 16.000 Einheiten verloren und nur noch 487.000 Pkw abgesetzt. Der freie Gebrauchtwagenhandel habe durch die Entwicklung rund 12.000 Besitzumschreibungen verloren (minus sieben Prozent) und kam auf 156.000 Einheiten. Bei 8,84 Milliarden Umsatz für diese beiden Bereiche sei dieser um 124 Millionen Euro gesunken.

Die dritte und für viele Kfz-Betriebe inzwischen meist entscheidende Säule für den wirtschaftlichen Erfolg sei der Service: "Der Service legte im vergangenen Jahr um 4,6 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro zu", freut sich Michael Ziegler. Ausschlaggebend sei hier ein steigender Fahrzeugbestand in Baden-Württemberg, der zu einem stabilen Wachstum im Service beitrage. Außerdem habe sich das Wartungsverhalten der Autobesitzer verbessert. 2018 wurden pro Pkw 0,9 Wartungsarbeiten durchgeführt: "Das hört sich nach wenig an, aber damit sind wir sehr zufrieden."

Ob sich dieser Wert halten lasse und vor allem, wie sich die damit verbundenen Werkstattumsätze und die Werkstattauslastung entwickelten, sei aber die Frage. "Der Januar 2019 begann bereits mit einer Delle von minus drei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahreswert." Für die Unsicherheiten in Bezug auf das Werkstattgeschäft gebe es verschiedene Gründe: "Erstens werden die Autos immer wartungsfreundlicher. Dieser Prozess wird durch die Flottenerneuerung bei den Dieseln verstärkt", sagt Michael Ziegler. "Die durch Fahrverbote betroffenen Diesel-Autos bis Euro 4 fehlen den Stuttgarter Betrieben schon jetzt spürbar:" Außerdem trage auch der Zuwachs bei Elektromobilen zu weniger Servicegeschäft bei: "5.806 neuzugelassene Elektroautos sind momentan zwar noch kein maßgeblicher Faktor und solange die Menschen vor allem Hybridautos kaufen, wird sich daran nicht viel ändern, aber die Betriebe müssen sich auf diese Entwicklung einstellen."

Das habe mittelfristig vor allem Auswirkung auf die Beschäftigung. Im Moment seien aber andere Faktoren dafür maßgebend, dass 2018 die Zahl der Mitgliedsbetriebe leicht auf 4.206 gesunken sei. "Der Konzentrationsprozess in unserem Gewerbe setzt sich weiter fort", so Ziegler. Der Beschäftigtenrückgang um 700 auf 52.800 ändere aber nichts daran, dass das Gewerbe ein zukunftsfähiger Arbeitgeber sei. Die Zahl der Ausbildungsplätze habe das Kfz-Gewerbe mit 9.300 leicht ausgebaut "und wir sind stolz darauf, dass unsere Ausbildungsplätze begehrt sind".

Die technische Entwicklung des Autos laufe auf vollen Touren, sagte Michael Ziegler. "Bei den Antrieben ist das Rennen noch längst nicht gelaufen. Synthetische Kraftstoffe, aber auch Gas liefern schadstoffarme Alternativen." Die Zahl der Zulassungen von Gasautos habe sich verdoppelt. Die Forschung bei E-Fuels "wird jetzt sogar von Verkehrsminister Winfried Hermann unterstützt". Vor allem aber sei "das Auto allen anderen Mobilitätsangeboten überlegen: Es fährt bis vor die Haustür, es fährt weiter als jeder Radler, es kommt in den hintersten Winkel der Welt, es ist bequem und wird durch autonomes Fahren noch bequemer und es ist 24 Stunden verfügbar". Vorteile, die kein anderes Verkehrsmittel biete: "Was uns Sorge macht, ist auch nicht der Wettbewerb mit anderen Verkehrsmitteln, sondern der klare Trend zum Verbot." Stuttgart sei aktuell ein Musterbeispiel dafür: "Zwei, drei NOx-Hotspots sollen die Begründung für flächendeckende Fahrverbote liefern, die dann selbst für Bereiche gelten, in denen die Grenzwerte deutlich unterschritten werden. Das ist weder logisch noch sinnvoll noch an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet und es schadet der Wirtschaft und dem Handel in unserem Land. Wer kein Auto will, wird nicht gezwungen, eines zu kaufen. Wer eines will, darf aber nicht zum Verzicht gezwungen werden."

Gut vorbereitet auf Elektromobilität

Die Pressesprecherin des Kfz-Gewerbes Birgit Leicht ergänzte die Ausführungen Zieglers um Informationen zur Ausbildung und Elektromobilität. "2018 haben in Autohäusern und Servicebetrieben im Südwesten 3.045 junge Menschen die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bzw. zur Kfz-Mechatronikerin und 834 zum Automobilkaufmann bzw. zur Automobilkauffrau begonnen. Das waren Zuwächse von 6,5 bzw. 7,8 Prozent", freute sich Leicht. Die Anforderungen in den Auto-Berufen seien gestiegen, was an Bewerber und Azubis kommuniziert werde. Auch Studienabbrecher seien willkommen.

Die Ausbildungen im mechatronischen und kaufmännischen Bereich würden ständig an neue Technologie und Anforderungen angepasst. "Auch auf den Werkstatt-Service für E-Autos sind wir eingestellt. Mit der Weiterbildung "Arbeiten an Hochvolt-Anlagen" bereitet das Kfz-Gewerbe Mitarbeiter auf alle Facetten der Elektromobilität vor. In der Ausbildung gibt es die Variante des Kfz-Mechatronikers mit dem Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik."

Beim Thema Elektromobilität hob sie die Botschafterrolle der Kfz-Betriebe hervor und mahnte deren Unterstützung durch Politik und Hersteller an. Die mittelständischen Kfz-Betriebe tätigten bereits jetzt immense Investitionen, obwohl auf dem Gebiet derzeit noch wenig Umsatz gemacht werden könne. Spezialisiertes Personal und Ausstattung müssten trotzdem bereitgehalten werden. "Für die betriebliche Infrastruktur wünscht sich das Kfz-Gewerbe Förderprogramme auch von staatlicher Seite." Außerdem forderte sie zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die E-Mobilität eine Optimierung der Netzinfrastruktur. Das Kfz-Gewerbe erledige dagegen seine Hausaufgaben und gehe Kooperationen ein, etwa mit dem Elektro-Handwerk und einem Energiedienstleister, um die E-Mobilität voranzubringen.

Letzte Änderung: 05.03.2019Webcode: 0123614