Nur mit Nachrüstung für Euro-5-Diesel kann die Einhaltung der Grenzwerte gesichert werden

[12.07.2018] Stuttgart. Das baden-württembergische Kraftfahrzeuggewerbe ist mit dem Kompromiss in Sachen Fahrverbote unzufrieden: "Es fehlen klare Aussagen, dass Nachrüstung vor Fahrverboten schützt, und der Druck auf die Hersteller in Sachen Hardwarenachrüstung", sagt Carsten Beuß. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg bemängelt, dass "weiter unnötig Zeit verschenkt wird". Fahrverbote für Euro-4-Diesel ab dem 1. Januar 2019 und Vielleicht-Fahrverbote für Euro-5-Diesel ab 2020, "sind keine klaren Vorgaben, sondern ein weiteres Aufschieben von Entscheidungen." Was jetzt vorgestellt worden sei, gebe "den Herstellern von Nachrüstlösungen und den Dieselbesitzern nicht die Sicherheit, die sie brauchen, damit eine Nachfrage entsteht." Aber schon jetzt sei klar, dass "nur mit einer Nachrüstung für Euro-5-Diesel die Einhaltung der Grenzwerte gesichert werden kann, sonst sind die Fahrverbote 2020 fast unausweichlich."

Der Verband hofft, dass mit dem Entwurf des Stuttgarter Luftreinhalteplans noch mehr Klarheit geschaffen wird. Den Entwurf des Luftreinhalteplans werde der Verband zusammen mit der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart gründlich prüfen. Dabei gehe es beispielsweise auch darum, ob die Belange der Stuttgarter Kfz-Betriebe und ihrer Kunden ausreichend berücksichtigt werden. Carsten Beuß: "Wir brauchen klare Regelungen, die die freie Zu- und Abfahrt unserer Kunden auch mit Euro-4-Dieseln zu dem Betrieben in der Fahrverbotszone garantieren." Carsten Beuß ist sich sicher, "dass es zu Klagen gegen den Luftreinhalteplan kommt, wenn solche Ausnahmeregelungen fehlen, denn dann wird die Existenz der Betriebe gefährdet".

Es gehe bei der Prüfung aber auch darum, ob die Lasten der Stickoxidreduzierung gleichmäßig und gerecht auf alle Quellen, beispielsweise auch die Stuttgarter Kraftwerke oder öffentliche Fuhrparke, verteilt werden. Beuß: "Wir verstehen uns dabei durchaus als die Stimme aller Menschen mit Dieselauto, die zum Spielball von Politik, Autoherstellern und fanatischen Dieseljägern geworden sind. Ab heute zählt jedes Mikrogramm weniger, egal aus welcher Quelle es nicht mehr kommt."

 

BWHT-Pressemitteilung:

Stuttgart. "Bitter, dass nun Fahrverbote für Euro 4-Fahrzeuge beschlossene Sache sind. Hier hätten Politik und Hersteller längst eine Lösung zur Nachrüstung liefern müssen. Die Leidtragenden sind Handwerker, Pendler und Anwohner. Zumindest scheint vorerst kein Verbot für Euro 5-Diesel geplant zu sein", so Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold zum heute vorgestellten Beschluss der baden-württembergischen Landesregierung zur Luftreinhaltung.

"Entscheidend ist jetzt die konkrete Ausgestaltung der Ausnahmeregelungen für Handwerker. Unbürokratisch, alltagstauglich und langfristig müssen diese sein. Die langen Investitionszyklen für Fahrzeuge im Handwerk von mindestens acht Jahren müssen in jedem Fall berücksichtigt werden", so Reichhold. Eine Geltungsdauer von nur vier Jahren, wie zuletzt diskutiert, gehe schlicht an der Realität vorbei.

Außerdem müsse auch an die Kunden von Handwerksbetrieben gedacht werden. Die Verhältnismäßigkeit müsse insbesondere für KfZ-Betriebe gelten. Diese müssen schließlich auch innerhalb der Fahrverbotszone für Kunden mit Euro 4-Diesel erreichbar sein. Reichhold: "Sonst käme es zu absurden Situationen, wenn beispielsweise ein Kunde mit einem älteren Fahrzeug nicht einfahren dürfte, um sein Auto nachrüsten zu lassen."

"Völlig unverständlich sind für uns die Versäumnisse der Politik und der Automobilindustrie bei dem Thema Nachrüstung. Für die Hardware-Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen gibt es riesige Minderungspotentiale. Dass diese Methode funktioniert, zeigen nicht zuletzt die Ergebnisse der Testreihe des ADAC Württemberg. Trotzdem gibt es bis heute weder eine gesetzliche Grundlage noch eine serienreife Lösung", so Reichhold.

ADAC-Pressemitteilung:

Die baden-württembergische Landesregierung hat heute ein generelles Fahrverbot für Dieselfahrzeuge der Euronorm 4 und darunter ab Jahresbeginn 2019 beschlossen. Selbstzünder der Euronorm 5 sollen vorerst von Fahrverboten ausgenommen bleiben.

Dazu erklärt Dieter Roßkopf, Vorstandsvorsitzender des ADAC Württemberg: "Das Fahrverbot für Dieselfahrzeuge der Euronorm 4 und darunter kommt wenig überraschend, denn die Landesregierung folgt damit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Februar dieses Jahres. Es zeigt aber auch ganz klar, wie ernst die Situation mittlerweile ist. Der Bundesgesetzgeber muss nun rasch handeln und umgehend gesetzliche Rahmenbedingungen für die Zertifizierung und Überprüfung von SCR-Nachrüstlösungen festlegen, damit nachgerüstete Euro 5 Dieselfahrzeuge künftig von einem möglichen Fahrverbot ausgenommen werden können."

Letzte Änderung: 12.07.2018Webcode: 0120524