Pkw-Neuzulassungen im Südwesten mit rund minus 50 Prozent – trügerische E- und Hybridauto-Zahlen

[16.06.2020] 

Stuttgart. Keine wirkliche Erholung im baden-württembergischen Automarkt: Im Mai sind die Pkw-Neuzulassungen um 51,1 Prozent auf 22.908 gesunken. Das ist ein Minus von 23.920 zum Vorjahres-Mai. Dass jetzt Zuversicht im Automarkt entstehe, sei dem verabschiedeten Konjunkturpaket zu verdanken, sagte Michael Ziegler, Präsident des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg, mit ironischem Unterton. Nun könne der Kunde nämlich wieder kaufen, ohne Angst haben zu müssen, sich einen staatlichen Zuschuss entgehen zu lassen.

Damit spielt Ziegler auf das Nein zu einer Kaufprämie für Verbrenner an. Die Enttäuschung des Autohandels sei schon deshalb groß, weil der automobile Elektro-Markt in diesem Jahr nicht die für einen Aufschwung erforderlichen Volumina liefern könne. Die Einbußen könnten nicht aufgeholt werden. „Und auch wenn es so aussieht, als würden E-Autos und Plug-in-Hybride über die vergangenen Monate nicht so stark von der Krise betroffen sein oder sogar im Plus liegen, muss bedacht werden, dass diese meist lange Lieferzeiten haben und daher vor Corona bestellte Fahrzeuge in der Krisenzeit ausgeliefert und zugelassen wurden“, erklärt Michael Ziegler. „Ob und wie sich die einseitig erhöhte E-Prämie in den kommenden Monaten auswirken wird, bleibt abzuwarten.“

Vermeintliches Trotzen von E- und Hybrid-Autos Folge ihrer Lieferzeiten

Die KBA-Monatsbilanz für Mai zeige für Stromer ebenso wie für Diesel und Benziner Minuszahlen, so Ziegler. 773 (Vorjahr: 922) Elektro-Pkw, 10.584 (Vorjahr: 26.448) Benziner und 8.035 (Vorjahr: 16.255) Diesel stünden in der Bilanz. Hybride lagen im Mai mit 3.455 zugelassenen Einheiten, davon 1.181 Plug-in-Hybride, sogar im Plus (Mai 2019: 2.965 davon 615 Plug-in-Hybride) – eine Folge der bereits angesprochenen überdurchschnittlichen Lieferzeit. Hinzu seien noch 53 (Vorjahr: 235) gasbetriebene Neuwagen gekommen.

Das Jahreszwischenergebnis weise Einbußen von 35,6 Prozent auf 142.724 (Vorjahr: 221.788) Erstzulassungen aus. Die Perspektiven seien, wie Ziegler sagte, indes nicht rosig, weil der Auftragseingang aus dem Inland im Mai weiter massiv unter das Vorjahresniveau gesunken sei (minus 46 Prozent). In den ersten fünf Monaten seien 34 Prozent weniger Aufträge aus dem Inland eingegangen. „Eines ist klar: Eine zweite Corona-Welle können wir uns nicht leisten.“

Letzte Änderung: 26.06.2020Webcode: 0129940