Pkw-Zulassungen: Neuer Umweltstandard sorgt für Rekord-August mit negativen Auswirkungen

[24.09.2018] Stuttgart. Auf den ersten Blick liest sich die August-Bilanz der baden-württembergischen Pkw-Neuzulassungen spektakulär. Mit 41.451 (Vorjahr: 34.179) Einheiten weist die Statistik 21,3 Prozent mehr Neuwagen aus als im Vorjahresmonat. Auch im Gesamtjahr liegen die Erstzulassungen nach acht Monaten mit 342.776 Pkw klar über dem 2017er-Niveau (plus 7,1 Prozent). Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn der Autohandel muss eine bittere Pille schlucken.

Michael Ziegler, Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg: "Seit 1. September dürfen Pkw nur noch zugelassen werden, wenn sie nach dem neuen Verbrauchs- und Abgastestverfahren WLTP zertifiziert sind. Einige Hersteller hatten jedoch mehrere Modelle noch nicht berücksichtigt. Daher mussten viele Bestandsfahrzeuge, die noch nach dem bisherigen Verbrauchsmessstandard NEFZ zertifiziert waren, noch vor dem Stichtag zugelassen werden. Ohne diesen Effekt wären die Zulassungszahlen wohl lediglich einstellig im Plus gewesen." Wie erwartet sei es daher zu deutlichen Verwerfungen im Markt gekommen, die nun zulasten des Handels gehen.

Erzwungene Eigenzulassungen verfälschen das Bild

Im Pkw-Markt des Südwestens legten nach den aktuellen KBA-Länderzahlen Benziner um 21 Prozent auf 24.203 (Vorjahr: 20.022) Zulassungen zu. Auch der Diesel sei mit einem 13,7-Prozent-Plus auf 14.559 (Vorjahr: 12.810) Neuzulassungen vorübergehend aus "der roten Zone gefahren". Mit Blick auf den Sondereffekt sagte Ziegler, die kommenden Monate des Autojahres 2018 forderten dem Automobilhandel vieles ab. Der Auftragseingang liege zwar aktuell auf Vorjahresniveau. Die August-Zahlen seien aber vor allem durch ein "sehr großes Volumen von Eigenzulassungen durch Hersteller und Handel" zustande gekommen. Gerade noch nagelneue Fahrzeuge seien nun Teil des Gebrauchtwagenmarktes, stünden erst einmal auf dem Hof des Händlers und seien nicht mehr zum Neupreis zu verkaufen. "Ein zugelassenes Neufahrzeug in der Statistik bedeutet eben nicht, dass es auch an einen Kunden verkauft wurde", so der Verbandspräsident.

WLTP-Umstellung lässt Förderung für Hybride entfallen

Auch bei Elektro- und noch mehr bei Hybrid-Fahrzeugen seien die Zulassungszahlen gestiegen. Im August stünden 379 (Vorjahr:286) Stromer und 2.104 (Vorjahr: 976) Hybride in der Monatsbilanz. Der September sei nun der erste Monat, in dem die Streichliste der Förderung für neue Hybride von je 3.000 Euro Spuren hinterlassen könnte. Die Förderung vieler Modelle entfalle, weil sie nach dem neuen Standard zu hohe Emissionen hätten.

Auch wenn der Diesel in der monatlichen Betrachtung wieder attraktiver geworden zu sein scheint, so Ziegler, müsse man in der Gesamtbetrachtung von Januar bis inklusive August im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erkennen, dass er mit 9,7 Prozent im Minus liege. Insgesamt wurden 116.314 Diesel-Pkw zugelassen. Beim Benziner gibt es parallel eine Steigerung um 14,8 Prozent (207.448).

Letzte Änderung: 24.09.2018Webcode: 0121666