Präsident Dr. Harry Brambach macht zum 100. Geburtstag des Kfz-Gewerbes den Platz für einen Nachfolger frei

[27.04.2018] Stuttgart. Dr. Harry Brambach wird am 14. Juni am Tag des 100-jährigen Jubiläums des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg seine Tätigkeit als Präsident beenden. Das kündigte er am Donnerstag bei der Delegiertenversammlung des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg in Leinfelden-Echterdingen an. Als Kandidat für die Nachfolge hat sich Michael Ziegler, Mitglied der Geschäftsleitung der Emil-Frey-Gruppe ("früher sagte man Schwabengarage", Dr. Brambach) aus Stuttgart zur Verfügung gestellt, bis Juni sind aber noch weitere Bewerbungen möglich. Dr. Brambach sieht die Zeit gekommen, "den Generationenwechsel einzuleiten", damit der Verband auf die kommenden Herausforderungen angemessen antworten kann, die Digitalisierung, neue Technik und neue Vertriebsformen mit sich bringen: "Ich habe die Präsidentschaft beim 90-jährigen Jubiläum übernommen und das 100-jährige ist ein guter Zeitpunkt, die Verantwortung weiterzugeben." Sein Nachfolger wird einen Verband übernehmen, der mit einer Bilanzsumme von rund 2,4 Millionen Euro wirtschaftlich gut aufgestellt ist. Alle Haushaltsbeschlüsse erfolgten bei der Delegiertenversammlung einstimmig.

Der Verband es Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg ist mit derzeit 4.300 Mitgliedsbetrieben, mit 53.500 Beschäftigen und rund 9.000 Auszubildenden einer der größten Deutschlands und "auf alle Fälle der älteste", so Dr. Brambach vor den Delegierten. Der Blick zurück beim 100. Geburtstag wird aber mit einem Blick nach vorn kombiniert: "Denn wir stehen schon mitten in der Zeitenwende." Was er in seiner Bilanz für 2017 unter anderem am Beispiel Onlinegesellenprüfung im Teil 1 festmachte. Der Verband steht da mit einem Anteil von 22 Prozent im Vergleich zum Bund mit drei Prozent gut da, aber für den Präsidenten ist das noch nicht gut genug: "Es kann doch nicht sein, dass wir junge Menschen haben, die perfekt mit Handy, Tablet und Apps umgehen und die meisten machen die Prüfung auf Papier."

Ein kleines Beispiel für den großen Wandel innerhalb der Branche, den er ganz bewusst in jüngere Hände legen will. Zusammen mit Michael Ziegler, der als Kandidat für die Nachfolge antreten will, wurden als Knackpunkte unter anderem die künftigen Antriebsarten ("der Elektroantrieb wird ungerechtfertigt bevorzugt"), der Wandel in der Werkstatt ("der Verschleiß wird um 50 Prozent sinken") und der Wandel im Verhältnis Hersteller und Händler samt Service genannt. Wenn die Hersteller immer stärker in den Direktvertreib einsteigen und mit der Herrschaft über die Daten das Servicegeschäft steuern wollen, "werden wir zwangsläufig im Wettbewerb zu Konkurrenten", sagte Michael Ziegler vor den Delegierten.

Für die Autohäuser hängt von dieser künftigen Entwicklung auch ihre wirtschaftliche Lage ab. Der Blick auf die Zukunft brachte Dr. Brambach dazu, vor der Investition in Bauwerke statt digitaler Ausstattung zu warnen, die die Hersteller immer noch gerne vorschreiben. Beim Blick in die Gegenwart forderte er die Hersteller auf, die Autohäuser und Kfz-Betriebe in der angespannten Diesellage zu unterstützen. Erstens solle die Hardwarenachrüstung älterer Diesel, die die Schadstoffwerte nicht einhalten, mit finanzieller Unterstützung der Hersteller forciert werden, wobei die Politik endlich die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen müsse. Zweitens müssten die Hersteller dem Gewerbe helfen, den Werteverfall der Diesel, der durch die noch kommenden Leasingrückläufer existenzbedrohende Ausmaße annehmen kann, finanziell abzufedern.

Noch sei zwar offen, wie der Stuttgarter Luftreinhalteplan aussehen werde. Dr. Brambach kündigte aber an, dass das Kfz-Gewerbe sich dafür stark machen werden, dass "die Verhältnismäßigkeit gewahrt wird, von der das Gericht gesprochen hat. Einfach flächendeckende Fahrverbote für Diesel verhängen geht nicht." Zumal Stuttgart sicher "die Blaupause für Baden-Württemberg, wenn nicht für Deutschland wird."

Letzte Änderung: 27.04.2018Webcode: 0119508