Umweltbonus im Südwesten in der Corona-Falle?

[23.03.2020] Stuttgart. Der Februar hat beim Verkauf von Elektroautos noch nicht zu einem Schub durch den am 18. jenes Monats in Kraft getretenen höheren Umweltbonus geführt. 967 (Vormonat: 1.334) Anträge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wurden registriert. "Noch lässt sich der modifizierte Umweltbonus nicht einschätzen", so Michael Ziegler, Präsident des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. "Wir wissen nicht, ob wir gerade die Ruhe vor dem möglichen Ansturm auf die von Staat und Herstellern gefüllten Fördertöpfe erleben, viel wahrscheinlicher ist, dass die Flaute nicht zuletzt durch die Corona-Krise anhalten wird. Zur Verhinderung der Ausbreitung des Virus untersagt die Regierung derzeit den stationären Handel, auch den mit Automobilen. Die Autohäuser bleiben online und telefonisch für alle Kunden aber selbstverständlich erreichbar. Der Fahrzeughandel läuft nun eben digital."

Der Umweltbonus für Elektrofahrzeuge sei um fünf Jahre bis Ende 2025 verlängert worden. Er sei auf 6.000 Euro gestiegen und werde für Elektro-Fahrzeuge gewährt, die nach dem 5. November 2019 zugelassen worden seien - also auch rückwirkend. Die Neuregelung habe ein zwischenzeitliches Abwarten ausgelöst, denn im Idealfall gebe es jetzt für den Autokauf 50 Prozent höhere Fördergelder als zuvor. In den Südwesten seien seit Start der E-Prämie Mitte 2016 insgesamt 29.110 Anträge, davon 18.655 für rein batteriebetriebene Fahrzeuge, bewilligt worden. Bei einem Nettolistenpreis von weniger als 40.000 Euro erhielten die Antragsteller für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) nun jeweils insgesamt 6.000 Euro und für Plug-In-Hybride (PHEV) 4.500 Euro.

Bei einem Nettolistenpreis von über 40.000 bis zu 65.000 Euro bekämen Käufer von BEV 5.000 Euro, die von PHEV 3.750 Euro als Zuschuss. Der Umweltbonus könne erstmals auch für junge gebrauchte E-Fahrzeuge unter bestimmten Voraussetzungen beantragt werden. Die Liste des BAFA für förderfähige Fahrzeuge weise mittlerweile Preise für Gebrauchtwagen auf.

Das Kfz-Gewerbe verstumme indes auch in der Corona-Krise, in der es jetzt auch um die Rettung des Autohandels an sich gehe, nicht mit der Kritik an der Einseitigkeit dieser finanziellen Förderungen, so Michael Ziegler. Subventionen nur für die Käufer seien nicht die Lösung für innovative Schritte zu einer klimafreundlichen Mobilitätswende. Erstens sei es ein nie gekannter Eingriff in den Markt, der zulasten anderer "sauberer Fahrzeuge gehe", so Michael Ziegler. Opfer seien beispielsweise gasbetriebene Fahrzeuge, "aber auch die mittlerweile saubersten Dieselfahrzeuge, die wir jemals hatten". Zweitens sei das Kfz-Gewerbe technologieoffen eingestellt und plädiere für eine gleichrangige Unterstützung von E-Fuels und Wasserstoff. Wenn aber gerade die E-Mobilität zum Erfolg geführt werden soll, dann gehe das nicht ohne den Handel. "Daher würde das Kfz-Gewerbe es begrüßen, wenn sich die Förderungen nicht nur an die Käufer, sondern auch die Autohäuser als Vermittler richten würden. Diese müssen nicht nur in Ladetechnik und andere Ausrüstung investieren, sondern werden je nach Hersteller auch zu Quoten beim Elektroautoverkauf gezwungen, die von Faktoren abhängig sind, welche durch die Autohäuser nicht beeinflusst werden können. Das ist betriebswirtschaftlicher Selbstmord."

Letzte Änderung: 23.03.2020Webcode: 0128713