Europa und das Handwerk – Fremde Freunde?

[07.05.2019] Verband und Baden-Württembergischer Handwerkstag (BWHT) haben in Brüssel Gespräche zu aktuellen politischen Themen geführt. Vor allem der Umgang mit Daten - ob im Zusammenhang mit der Datenschutzgrundverordnung oder dem Zugriff auf maschinen- und fahrzeuggenerierte Daten - stand im Fokus.

Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß nutzte die Reise zum Dialog mit Entscheidungsträgern aus der EU-Kommission, der Landesregeirung und mit dem EU-Abgeordneten Dr. Andreas Schwab (CDU). Denn europapolitische Themen des Kfz-Gewerbes gibt es derzeit mehr als genug: Neben der Frage des Datenzugangs und des Datenschutzes steht aktuell beispielsweise eine Nachfolgeregelung zur Kfz-GVO ab 2023 zur Debatte, ebenso eine Überarbeitung der Luftqualitätsrichtlinie mit möglichen neuen Grenzwerten bei Feinstaub und Stickoxiden. Dies bedeutet zentrale europäische Weichenstellungen für unsere Branche in den nächsten Jahren.

Bei der zentralen Abendveranstaltung in der baden-württembergischen Landesvertretung in Brüssel hielt der Europaminister des Landes, Guido Wolf, ein leidenschaftliches Plädoyer für Europa und warb für eine starke Beteiligung des Handwerks an der kommenden Europawahl am 26. Mai. Wolf signalisierte, auch künftig das Handwerk in der Erreichung seiner europapolitischen Ziele zu unterstützen.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion unter dem Motto "Europa und das Handwerk - Fremde Freunde?" gab es durchaus unterschiedliche Ansichten, wie diese Ziele ausgestaltet sein sollten. BWHT-Präsident Rainer Reichhold stellte klar, dass auch in Zukunft nicht am Meisterbrief gerüttelt werden dürfe - egal, wie EU-Kommission und Parlament nach dem 26. Mai aussehen. In der Vergangenheit hatte es nämlich durchaus Versuche gegeben, die hohen Standards des deutschen Handwerks abzusenken. Auch beim künftigen Umgang mit Daten, die von Autos und Maschinen generiert werden, müsse die EU dafür sorgen, dass der Zugang für Handwerk und Verbraucher sichergestellt werde. Sonst bestünde die Gefahr, dass diese Daten und damit Unmengen an Informationen Richtung Silicon Valley fließen - und Europa außen vor bleibt.

Dieser Meinung schlossen sich auch EU-Parlamentarier Andreas Schwab (CDU) und Wirtschaftsanalyst Oliver Dreute vom Think Tank der EU-Kommission an. Beide warben für mehr Realismus und den Weg des Kompromisses. Nur wenn die EU-Mitglieder, aber auch die Interessensvertreter nicht auf ihren eigenen Maximalforderungen beharrten, könne man einen für alle gangbaren Mittelweg finden. Das gelte für die unterschiedlichsten europapolitischen Themen, auch für die beim Handwerk ungeliebte Datenschutzgrundverordnung.

Bild: BWHT

Letzte Änderung: 07.05.2019Webcode: 0124372