Stuttgart. Während bundesweit E-Auto-Märkte durch Eigenzulassungen aufgebläht werden, beweist Baden-Württemberg: Echte Kundennachfrage ist möglich. Die Elektromobilität legte im August um 34,9 Prozent zu, private E-Auto-Käufe stiegen erneut. Michael Ziegler, Präsident des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg, sieht darin Chancen und Warnung zugleich: „Der Südwesten zeigt, dass eine wachsende Zahl von Kunden elektrisch fahren will – wenn die Bedingungen stimmen. Aber ein Plus von nur 3,4 Prozent bei den Neuzulassungen im Gesamtmarkt zeigt auch: Der Wandel stockt ohne verlässliche Politik.“
Die KBA-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Vollelektrische Fahrzeuge stiegen auf 5.885 (Vorjahr: 4.443), Plug-in-Hybride auf 4.128 (Vorjahr: 2.980). Benziner brachen von 7.942 auf 6.608 ein, Diesel gingen leicht auf 4.016 zurück (Vorjahr: 4.223). Mit 261.116 Neuzulassungen im bisherigen Jahresverlauf liegt Baden-Württemberg deutlich unter Vorjahr.
Private kaufen E-Autos – ohne Tricksereien
„Was hier passiert, widerlegt die Skeptiker teilweise“, erklärt Ziegler. „Die private E-Nachfrage steigt tatsächlich – auch ohne die Eigenzulassungs-Tricksereien, die bundesweit die Statistiken verzerren. Viele Menschen sind inzwischen bereit für den Wandel.“
Die rund 4.000 Mitgliedsbetriebe des Verbands haben massiv in Hochvolt-Qualifikationen und Ladeinfrastruktur investiert. „Unsere Betriebe haben vorgelegt. Sie sind die Problemlöser an der Kundenschnittstelle“, betont Ziegler. „Diese Vorleistungen dürfen nicht verpuffen. Handel und Werkstätten sind darauf angewiesen, dass die Nachfrage nach elektrischen Fahrzeugen deutlich steigt. Außerdem bieten diese Fahrzeuge vielen Kunden echte Vorteile.“ Wichtig sei es, die individuellen Nutzungsbedürfnisse der Kunden genau zu erkennen und die für die jeweilige Person am besten geeignete Antriebslösung zu finden.
Laut Umfrage des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) bewerten 43 Prozent der Betriebe bundesweit ihre Geschäftslage schlechter als zu Jahresbeginn. Zwar läuft das Werkstattgeschäft stabil – Kunden halten Fahrzeuge länger und investieren in Wartung statt Neukauf. Doch das allein reiche nicht aus, so Ziegler.
Historische Preisannäherung – Politik muss handeln
Die Preisdifferenz zwischen E-Autos und Verbrennern schrumpfte zuletzt auf nur 2.243 Euro – ein Rekordtief. „Die Hersteller haben geliefert“, erkennt Ziegler an. „Jetzt muss die Politik nachziehen. 15 Milliarden Euro aus CO2-Preis und Lkw-Maut gehören in die Förderung der E-Mobilität und der Straßeninfrastruktur, nicht in Haushaltslöcher.“
Seine Forderungen: „Wir brauchen endlich eine Kaufprämie auch für gebrauchte E-Autos. Der Gebrauchtmarkt ist der Schlüssel für bezahlbare Elektromobilität. Die Stromsteuer muss zudem runter auf das EU-Minimum von 0,1 Cent. Die Schnellladeinfrastruktur muss ausgebaut werden. Und weg mit den überbordenden und teils undurchsichtigen Regeln der Pkw-Energieverbrauchskennzeichnung – das ist pure Bürokratie ohne erkennbaren Nutzen. Was wir in diesem Bereich brauchen, sind klare und einfache Regeln und keinen Selbstbedienungsladen für Abmahnhaie!“
Zum Verbrennerverbot wird Ziegler deutlich: „Technologieoffenheit statt Ideologie. Wir brauchen alle Optionen – batterieelektrisch, Wasserstoff, alternative Kraftstoffe. Nur so bleibt Mobilität für alle Bevölkerungsschichten bezahlbar.“
Wandel braucht Planungssicherheit
„In fünf bis acht Jahren wird sich die Unsicherheit legen“, prognostiziert Ziegler. „Mit Erfahrungen zur Batteriehaltbarkeit stabilisieren sich Restwerte. Das schafft Vertrauen, senkt Leasingraten, bringt Schwung.“
Baden-Württembergs Kfz-Gewerbe ist bereit. „Unsere Betriebe beweisen täglich: Der Wandel funktioniert, wenn man ihn richtig anpackt“, so Zieglers Fazit. „Es fehlt aber an wirksamen politischen Taten statt weiterer Ankündigungen. Individuelle Mobilität bleibt fundamental – unsere Aufgabe ist, sie bezahlbar und nachhaltig zu gestalten. Das geht nur mit einer Politik, die Planungssicherheit schafft.“