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Baden-Württembergs Gebrauchtwagenmarkt im beginnenden Wandel: Hybride legen stark zu, E-Autos moderat

4.000 Autohäuser und Kfz-Meisterbetriebe beweisen ihre Transformationskraft – und formulieren klare Anforderungen an die Politik

Stuttgart. Das baden-württembergische Kfz-Gewerbe treibt den Wandel zur Elektromobilität weiter voran: Mit einem Wachstum von 12,0 Prozent bei vollelektrischen Gebrauchtwagen im September und einem starken Zuwachs von 26,1 Prozent bei Plug-in-Hybriden setzt die Branche weiterhin Akzente. Die 4.000 Betriebe im Südwesten beweisen damit einmal mehr ihre zentrale Rolle als Schnittstelle zu den Kundinnen und Kunden bei der Transformation des Automobilmarkts.

Starke Position im bundesweiten Vergleich 

Die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) belegen die Vorreiterrolle Baden-Württembergs: Der Gebrauchtwagenmarkt verzeichnete im September mit 72.228 Besitzumschreibungen ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vormonat und liegt damit erstmals in diesem Jahr im positiven Bereich. Besonders bemerkenswert ist die überproportionale E-Auto-Dichte: 16,2 Prozent aller deutschen Elektrofahrzeuge sind im Südwesten registriert – bei einem Bevölkerungsanteil von nur 13,5 Prozent. 

„Während anderswo noch über die Transformation diskutiert wird, setzen unsere Betriebe sie bereits täglich in die Praxis um“, erklärt Michael Ziegler, Präsident des Baden-Württembergischen Kraftfahrzeuggewerbes. „Immer mehr Kunden erkennen die praktischen Vorteile der E-Mobilität – vom kostengünstigen Laden zu Hause bis zum entspannten, leisen Fahren. Gleichzeitig wissen unsere Betriebe aus tausenden Kundengesprächen aber auch sehr genau, welche Hürden noch abgebaut werden müssen, damit ein Markthochlauf gelingt.“ 

Die Investitionen der Branche seien erheblich: Pro Betrieb flössen häufig fünf- bis sechsstellige Summen in Schulungen, technische Ausrüstung und den Aufbau von Ladeinfrastruktur. „Diese Vorleistungen haben wir bewusst getätigt, um unseren Kunden kompetente Beratung und Service auf höchstem Niveau bieten zu können“, betont Ziegler.

Praktische Herausforderungen verlangen politische Lösungen 

Das Kfz-Gewerbe lehnt Kaufprämien zwar im Grundsatz ab, begrüßt aber ausdrücklich, dass für den Fall einer Förderung ab 2026 auch gebrauchte E-Fahrzeuge Berücksichtigung finden sollen. „Die avisierten 4.000 Euro Kaufprämie plus 100 Euro für ein Batteriegutachten sind wichtige Bausteine, um die E-Mobilität über den Markt junger Gebrauchter in der Breite der Gesellschaft zu verankern“, so Ziegler. „Besonders der Zuschuss für Batteriechecks kann das notwendige Vertrauen der Kundinnen und Kunden in die Haltbarkeit der Fahrzeugbatterie verbessern – ein entscheidender Faktor beim Gebrauchtwagenkauf.“ Kritisch sieht Ziegler eine etwaige Beteiligung des Kfz-Handels an der Prämie: „Unsere familiengeführten KMU haben durchschnittliche Umsatzrenditen von 1,5 bis zwei Prozent, da ist kein Raum für so etwas.“ Zudem müssten die Antragsverfahren etwaiger Prämien unbürokratisch gestaltet werden, damit die Förderung tatsächlich bei den Kunden ankommt und nicht durch administrative Hürden ausgebremst wird.


Ziegler sieht jedoch weiteren Handlungsbedarf. „Um den E-Auto-Privatmarkt nachhaltig zu stärken, brauchen wir einen ganzheitlichen Ansatz: Die Fördergelder aus der CO2-Bepreisung und der Lkw-Maut sollten konsequent in die E-Mobilität und die zugehörige Infrastruktur investiert werden – nicht in die Deckung allgemeiner Haushaltslücken.“

Als zentrale Herausforderung identifiziert die Branche die extreme Spreizung bei den Ladekosten. Während das Laden zu Hause oft nur wenige Euro kostet, können die Preise an Schnellladesäulen im ungünstigsten Fall bis zu 14 Euro pro 100 Kilometer erreichen – etwa ein Drittel mehr als die Kraftstoffkosten eines vergleichbaren Benziners. „Aus Kundengesprächen wissen wir: Die Preisgestaltung beim Laden unterwegs ist oft ein Hindernis für den Umstieg“, erklärt Ziegler. „Autofahrer wünschen sich vor allem Vorhersehbarkeit der Kosten. Eine einfache, verständliche Preisdarstellung und standardisierte Bezahlmöglichkeiten würden die Akzeptanz deutlich erhöhen.“ Zusätzlich seien die Senkung der Netzentgelte, die teilweise bis zu 31 Prozent des Ladestrompreises ausmachten, sowie einheitliche, nutzerfreundliche Bezahlsysteme unerlässlich für den Markterfolg. „Die Kosten für individuelle Mobilität dürfen nicht weiter steigen, deshalb sehen wir auch mögliche Preissteigerungen bei Kraftstoffen durch das Europäische Emissionshandelssystem 2 sehr kritisch. Das führt zu sozialen Verwerfungen. Individuelle Mobilität darf kein Luxusgut werden. Deshalb muss Ladestrom dringend günstiger werden und so Anreize schaffen.“  

Überraschender Trend: Ländlicher Raum bei E-Auto-Akzeptanz vorn

Eine überraschende Entwicklung offenbaren die regionalen Verteilungsmuster am Gebrauchtwagenmarkt: Mit 21 Prozent liegt die E-Auto-Akzeptanz auf dem Land mittlerweile vor der Stadt mit 17 Prozent. „Diese Zahlen widerlegen gängige Vorurteile“, analysiert Ziegler. „Sie zeigen vielmehr: Elektromobilität funktioniert besonders dort gut, wo die Rahmenbedingungen stimmen – und dazu gehört vor allem die Möglichkeit, kostengünstig und unkompliziert zu Hause laden zu können.“ 

Trotz langer Standzeiten: Kfz-Gewerbe bleibt „Teil der Lösung“

Gleichzeitig verschweigt der Verband die wirtschaftlichen Herausforderungen für seine Mitgliedsbetriebe nicht. Nach Analysen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) verlieren E-Fahrzeuge binnen drei Jahren etwa die Hälfte ihres Wertes, während Benziner noch rund 64 Prozent Restwert aufweisen. Zudem belegen aktuelle Marktbeobachtungen deutlich längere Standzeiten: Während Verbrenner durchschnittlich 45 Tage beim Händler stehen, sind es bei E-Autos 110 Tage. 

„Diese Zahlen zeigen die wirtschaftlichen Risiken, die unsere Betriebe derzeit schultern“, erklärt Ziegler. „Trotzdem managen wir diese Transformation erfolgreich. Die vielfach befürchtete Service-Krise ist ausgeblieben, der Umsatzrückgang fällt mit etwa 3,6 Prozent deutlich moderater aus als ursprünglich prognostiziert. Das beweist: Wir sind nicht Teil des Problems – wir sind ein wesentlicher Teil der Lösung für eine nachhaltige, kundenorientierte automobile Zukunft.“

Die Daten basieren auf Erhebungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (September 2025), Analysen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT), Marktbeobachtungen von Indicata sowie aktuellen Studien zu Ladekosten. Detaillierte Quellenangaben auf Anfrage.