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Elektromobilität im Aufwind, doch Gebrauchtwagenmarkt zeigt Warnsignale

Januar-Bilanz: E-Neuzulassungen legen um 28 Prozent zu, Gesamtmarkt für Gebrauchtwagen bricht ein / Verband fordert Förderung auch für gebrauchte E-Fahrzeuge

 

Stuttgart. Der Jahresauftakt am baden-württembergischen Automarkt zeigt ein gespaltenes Bild. Während die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen deutlich zulegen, verzeichnet der Gebrauchtwagenmarkt einen zweistelligen Rückgang. Für den Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg ist das ein Warnsignal: Ohne einen funktionierenden Gebrauchtwagenmarkt bleibt bezahlbare Elektromobilität für viele Menschen unerreichbar.

Die aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) für Januar 2026 zeigen bei den Neuzulassungen ein erfreuliches Bild: 6.777 rein batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) wurden in Baden-Württemberg neu zugelassen – ein Plus von 28,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Zusammen mit Plug-in-Hybriden erreichen elektrifizierte Pkw einen Anteil von 39 Prozent an allen Neuzulassungen. Der Anteil alternativer Antriebe insgesamt – einschließlich Hybride ohne Stecker – liegt bei 67,5 Prozent und damit auf einem neuen Höchstwert.

„Die Elektromobilität gewinnt bei den Neuwagen an Fahrt“, sagt Michael Ziegler, Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. „Aber der Blick auf den Gebrauchtwagenmarkt zeigt, dass diese Entwicklung noch nicht in der Breite der Gesellschaft ankommt.“

Gebrauchtwagenmarkt: „Fast eine Vollbremsung“

Die Zahlen aus dem Gebrauchtwagenmarkt sind ernüchternd: Mit 66.371 Besitzumschreibungen liegt der Januar 10,2 Prozent unter dem Vorjahr – ein Rückgang von rund 7.500 Fahrzeugen. „Das ist fast eine Vollbremsung“, sagt Ziegler. Besonders stark betroffen sind Benziner mit minus 11,8 Prozent und Diesel mit minus 15,1 Prozent. Gebrauchte Elektrofahrzeuge legten zwar um 18,5 Prozent zu, doch mit 2.818 Halterwechseln bewegen sie sich weiterhin auf niedrigem Niveau.

„Der Gebrauchtwagenmarkt ist der Schlüssel zur bezahlbaren Mobilität“, sagt Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Verbandes. „Viele Privatkunden kaufen junge Gebrauchtwagen. Wenn wir wollen, dass Elektromobilität in der Mitte der Gesellschaft ankommt, müssen wir den Zweitmarkt stärken.“ Viele gebrauchte E-Fahrzeuge stünden derzeit zu lange auf den Höfen der Autohäuser. Die Unsicherheit über den Zustand der Batterie schrecke Käufer ab, während die Restwerte unter Druck gerieten.

„Förderung muss auch Gebrauchtwagen erreichen“

Der Verband fordert daher, bei künftigen Förderprogrammen auch gebrauchte Elektrofahrzeuge einzubeziehen. „Eine Förderung, die nur Neuwagenkäufer erreicht, geht an der Lebensrealität vieler Menschen vorbei“, so Beuß. Zudem müssten Verfahren zur Bestimmung des Batteriezustands Standard werden, um Vertrauen im Gebrauchtwagenmarkt zu schaffen.