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Gebrauchtwagenmarkt im Südwesten gerät ins Stottern – Elektroautos bleiben Lichtblick auf kleiner Flamme

Stuttgart. Nach vier Monaten steht der baden-württembergische Gebrauchtwagenhandel nur dank eines hauchdünnen Pluszeichens von 0,7 Prozent im positiven Terrain. Der April hat deutliche Bremsspuren hinterlassen: Insgesamt wechselten im vergangenen Monat 76.158 Pkw die Halter, zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders scharf ging es für Benziner und Diesel bergab, während die Elektromobilität zwar zulegte, das Minus bei den Verbrennern jedoch nicht ansatzweise ausgleichen konnte.

„Aus einem grauen Gesamtbild leuchtet die E-Mobilität – aber nur auf sehr kleiner Flamme“, sagt Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. „Ein größeres Angebot macht gebrauchte Stromer endlich auch für Privatkunden interessanter, auf dem Gesamtmarkt bleiben sie aber eine Nische.“

Verbrenner verlieren, Stromer gewinnen. Das Kräfteverhältnis bleibt klar.

Die KBA-Statistik für April weist 43.996 Besitzumschreibungen bei Benzinern (- 4,9 Prozent) und 20.864 bei Dieselfahrzeugen (- 6,3 Prozent) aus. Demgegenüber legten batterieelektrische Pkw (BEV) mit 2.456 Halterwechseln um gut 25 Prozent zu; Plug-in-Hybride (PHEV) steigerten sich auf 2.045 Einheiten (+ 19,4 Prozent). Gasfahrzeuge blieben mit 438 Umschreibungen eine Randnotiz.

Jahresbilanz knapp im Plus – Sorgen für den weiteren Verlauf

Kumuliert zählt der Südwesten seit Januar 291.593 Besitzumschreibungen und liegt damit lediglich 0,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Für Beuß sind das trügerische Zahlen: „Wir steuern auf ein schwieriges Autojahr 2025 zu: sinkende Umsätze, wenige Werkstattaufträge, verhaltener Konsum. All das trifft auch den Gebrauchtwagenmarkt“.

Überbewertete E-Gebrauchte, volle Höfe, fallende Preise

Besonders kritisch sieht Ziegler die Lage bei gebrauchten Stromern: „Die Fahrzeuge sind überbewertet, die Lager gut gefüllt, die Nachfrage bleibt schwach. Preiskorrekturen sind unvermeidlich.“ Ein funktionierender Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos sei aber Grundvoraussetzung, damit der elektrische Antrieb in der Breite und im deutschen Fahrzeugbestand ankomme.

Förderfenster für junge E-Gebrauchte könnte entscheidenden Impuls setzen

Vor diesem Hintergrund erinnert der Verband an die im Koalitionsvertrag vorgesehene Kaufanreize für E-Fahrzeuge, die, wenn sie kommen, auf jeden Fall auch auf junge Gebrauchtwagen erweitert werden sollten. „Nur dann macht eine Förderung überhaupt Sinn. Eine schlanke Förderung für neue und gebrauchte Elektroautos in einer Übergangszeit würde dazu beitragen, Marktblockaden zu lösen, realistische Preise zu schaffen und damit den Weg für eine breitere Akzeptanz der Elektromobilität freizumachen. Sie müsste aber sehr schnell kommen, eine monatelange Hängepartie um eine etwaige Förderung wäre dagegen kontraproduktiv“, so Beuß. „Der Gebrauchtwagenmarkt braucht jetzt klare Impulse. Andernfalls droht die Elektromobilität weiterhin ein Phänomen der Nische zu bleiben. Politik und Hersteller sind gleichermaßen gefordert, gemeinsam praxisnahe Lösungen zu entwickeln.“