Ziegler fordert Förderung für E-Gebrauchtwagen
Stuttgart. Gebrauchte Elektroautos sind gefragt wie nie: Im Oktober verzeichnete Baden-Württemberg ein Plus von 22,6 Prozent bei den Besitzumschreibungen vollelektrischer Fahrzeuge, Plug-in-Hybride legten um 6,0 Prozent zu. „Diese Zahlen zeigen: Die Nachfrage nach bezahlbarer E-Mobilität ist da“, sagt Michael Ziegler, Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. „Aber sie könnte deutlich größer sein – wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden.“
Denn der Gesamtmarkt schwächelt: Mit 77.378 Pkw-Besitzumschreibungen liegt der Oktober 2,4 Prozent unter dem Vorjahr – der fünfte Rückgang in diesem Jahr. Benziner und Diesel, noch immer 84,8 Prozent des Marktes, verlieren kontinuierlich (minus 4,8 bzw. minus 6,5 Prozent). Die Jahreszwischenbilanz nach zehn Monaten zeigt ein ähnliches Bild: E-Autos plus 26,8 Prozent, Plug-in-Hybride plus 21,6 Prozent – aber von niedriger Basis.
Wo es hakt: Erkenntnisse aus 4.000 Betrieben
Der Gebrauchtwagenmarkt entscheidet darüber, ob E-Mobilität in der Mitte der Gesellschaft ankommt“, betont Ziegler. „Hier kaufen Familien, hier kaufen Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen.“ Doch genau hier zeigt sich das Problem: Zwar verlieren Elektrofahrzeuge prozentual stark an Wert – rund die Hälfte binnen drei Jahren. Aber in absoluten Zahlen liegen gebrauchte E-Autos immer noch deutlich über vergleichbaren Verbrennern. Wer maximal 15.000 oder 20.000 Euro ausgeben kann, findet kaum ein passendes Angebot.
In den täglichen Kundengesprächen der rund 4.000 Kfz-Betriebe Baden-Württembergs zeigen sich die konkreten Hürden. Viele Interessenten fürchten den „Handyeffekt“ beim Akku – die Unsicherheit über Batteriezustand und Restkapazität ist einer der häufigsten Gründe, vom Kauf abzusehen. Hinzu kommt ein massiver Restwertverfall: Elektrofahrzeuge verlieren binnen drei Jahren rund die Hälfte ihres Wertes, Benziner behalten noch 64 Prozent. Und wer kein Eigenheim mit Lademöglichkeit hat, zahlt an öffentlichen Schnellladesäulen bis zu 14 Euro pro 100 Kilometer – ein Drittel mehr als ein vergleichbarer Benziner.
Zehn Milliarden Euro – drei Prozent Wirkung
Im Kontext des Strategiedialogs Automobilwirtschaft, bei dem kürzlich Bundeskanzler Friedrich Merz, Ministerpräsident Winfried Kretschmann und EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné zusammenkamen, zog Ziegler eine ernüchternde Bilanz bisheriger Förderpolitik: „Zehn Milliarden Euro Subventionen zwischen 2016 und 2023 haben zu drei Prozent E-Auto-Anteil im Bestand geführt. Das Geld floss in den Neuwagenmarkt – aber die Breite der Bevölkerung erreichen wir dort nicht.“
Was jetzt passieren muss
Die Schlussfolgerung des Verbandspräsidenten: „Wenn wir Fördergelder einsetzen, dann dort, wo sie wirken: für bezahlbare E-Gebrauchtwagen unter 25.000 Euro, für Schnellladeinfrastruktur mit einheitlichen Bezahlsystemen und für niedrigere Strompreise.“ Die Klimaziele im Verkehr ließen sich nur erreichen, wenn E-Mobilität auch für Normalverdiener funktioniere. „Individuelle Mobilität darf nicht zum Luxusgut werden.“