Seit 2013 gehört die Hochvolttechnik zum Berufsbild des Kfz-Mechatronikers. Vor dem neuen Ausbildungsjahr fordert das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg vom Land, die verdoppelte Meisterprämie in den nächsten Haushalt einzustellen, die angekündigte kostenfreie Meisterausbildung mit einem Fahrplan zu unterlegen und die aus dem Sondervermögen des Bundes zugesagten zusätzlichen 30 Millionen Euro für die Bildungsstätten zielgerichtet einzusetzen. Am Meisterbrief hängt dabei mehr als die Ausbildung, nämlich auch die Nachfolge in den Betrieben.
Stuttgart, 31. Juli 2026. In wenigen Wochen beginnt das neue Ausbildungsjahr und mit ihm starten in Baden-Württemberg wieder tausende junge Menschen in einen Beruf voller Sensorik, Software und Hochvolttechnik. Das Kfz-Gewerbe bildet die Fachkräfte aus, die die Antriebswende in die Fläche bringen, und es tut das seit mehr als einem Jahrzehnt. Damit das so bleibt, muss das Land jetzt seine Zusagen einlösen, von der verdoppelten Meisterprämie über den Weg in die kostenfreie Meisterausbildung bis zur verlässlichen Finanzierung der Bildungsstätten-Modernisierung. Es geht dabei um mehr als Ausbildungsplätze, denn am Meisterbrief hängt auch, wer die Betriebe von morgen führt.
Verbandspräsident Michael Ziegler: „Die Antriebswende wird nicht am Reißbrett beschlossen, sie wird in der Werkstatt gelernt. Unsere Betriebe bilden die Fachkräfte aus, die neue Antriebe verkaufen, warten und sicher instandsetzen. Ich sage aber auch offen: Dass die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr nach fünf Jahren Aufschwung erstmals wieder leicht zurückgegangen ist, ist ein Warnsignal. Wer die Transformation will, muss die Orte stärken, an denen sie gelernt wird.“
Aus Zusagen müssen Werkbänke werden
Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß: „Die Zusagen des Landes sind die richtigen, jetzt kommt es auf eine verlässliche Umsetzung an. Die verdoppelte Meisterprämie gehört in den nächsten Haushalt, und die angekündigte Kostenfreiheit der Meisterausbildung braucht einen konkreten Fahrplan. Beides zahlt doppelt ein, denn wer heute seinen Meister macht, ist morgen ein Kandidat für die Unternehmensnachfolge, die in vielen unserer Betriebe ansteht. Bei der Modernisierung der Bildungsstätten müssen die zugesagten 30 Millionen Euro konsequent mit Blick auf die zukünftigen Herausforderungen eingesetzt werden. Wer jetzt im Herbst eine Ausbildung im Kfz-Handwerk beginnt, soll wissen: Dieser Beruf hat Zukunft, und das Land steht zu denen, die diese Zukunft können.“
Was hinter der Hochvolt-Kompetenz steckt
Neu ist die Technik für das Kfz-Gewerbe nicht. Bereits seit 2013 ist die System- und Hochvolttechnik als eigener Schwerpunkt im Berufsbild des Kfz-Mechatronikers verankert, lange bevor das Elektroauto den Massenmarkt erreichte. Die Betriebe im Land haben diese Kompetenz über Jahre aufgebaut, mit eigenen Hochvolt-Arbeitsplätzen, geschultem Personal und Investitionen, die je nach Ausbaustufe einen sechsstelligen Betrag pro Standort erreichen können.
Auch die Ausbildung selbst hat sich lange Zeit gegen den Trend entwickelt. 2024 wurden bundesweit über 25.000 neue Ausbildungsverträge zum Kfz-Mechatroniker geschlossen, der höchste Stand seit zwei Jahrzehnten. 2025 folgte mit rund 24.500 Verträgen ein leichter Rückgang von knapp drei Prozent, der erste seit fünf Jahren. Für den Verband ist das kein Grund zur Dramatisierung, aber ein Grund zur Wachsamkeit. Die Konkurrenz um junge Menschen ist hart und moderne Ausbildung braucht moderne Ausbildungsstätten und Berufsschulen, vom Hochvolt-Arbeitsplatz bis zur Diagnosetechnik auf Herstellerniveau.
Genau hier hat das Land Zusagen gemacht. Aus dem Landesanteil am Sondervermögen des Bundes fließen über den Nachtragshaushalt zusätzliche 30 Millionen Euro in die Modernisierung der baden-württembergischen Bildungsstätten des Handwerks, der Koalitionsvertrag bekräftigt das. Diese Modernisierung ist eine Investition in die Zukunft von Kfz-Gewerbe und Handwerk. Dazu kündigt die neue Landesregierung an, die Meisterprämie von 1.500 auf 3.000 Euro zu verdoppeln und die Meisterausbildung perspektivisch kostenfrei zu stellen. Die Verdopplung entspricht einer langjährigen Forderung des Handwerks, für die sich auch der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes eingesetzt hat. Der Meisterbrief ist dabei mehr als ein Karriereschritt, er ist der klassische Weg in Selbstständigkeit und Betriebsübernahme, und damit eine Antwort auf die Nachfolgefrage, die sich in den kommenden Jahren in vielen Kfz-Betrieben im Land stellt.
Am Ende ist die Ausbildungsfrage eine Standortfrage. Die Antriebswende gelingt nur, wenn sie in den Werkstätten des Landes gekonnt wird, und das Kfz-Gewerbe hat gezeigt, dass es liefert. Jetzt ist das Land am Zug.