Delegiertenversammlung erteilt Prüfauftrag für ZVK-Austritt und positioniert sich als Vollsortimenter für alle Kfz-Betriebe
Fellbach. Der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg hat auf seiner Delegiertenversammlung ein klares Signal gesetzt: Während in anderen Landesverbänden über getrennte Strukturen für Handel und Handwerk diskutiert wird oder bereits Fakten geschaffen werden, bekräftigt Baden-Württemberg seine Position als Vollsortimenter. Gleichzeitig erteilten die Delegierten einen Prüfauftrag, wie die handwerklichen Interessen der Mitgliedsbetriebe künftig am besten abgebildet werden können. „Dazu gehört auch die Frage, ob ein ZVK in seiner jetzigen Konstellation dies noch gewährleisten kann oder ob andere Optionen für die Mitgliedsbetriebe und Innungen einen höheren Nutzen bringen“, machte Präsident Michael Ziegler deutlich.
Geschlossenheit als Erfolgsstrategie
„Wir in Baden-Württemberg sind Vollsortimenter. Wir vertreten alle Kfz-Betriebe“, betonte er vor den rund 60 Teilnehmern in Fellbach. Diese Gemeinsamkeit von Handel und Handwerk sei die Grundlage der Verbandsarbeit: „Wir sprechen mit einer Stimme – gegenüber der Politik, gegenüber den Herstellern, gegenüber der Öffentlichkeit. Diese Geschlossenheit ist unsere Stärke. Während andere sich in Grabenkämpfen verzetteln, können wir die Interessen aller 4.000 Mitgliedsbetriebe kraftvoll vertreten.“
Die Delegierten bekräftigten diese Position einmütig. Für die Mitgliedsbetriebe in den Innungen ändert sich nichts. Sie erhalten weiterhin alle Dienstleistungen für Handel und Handwerk aus einer Hand. Diese klare Linie hatte bereits die Herbst-Delegiertenversammlung des Vorjahres mit überwältigender Mehrheit untermauert. „Unser Handeln dient dem Wohl des Gewerbes und damit jedem einzelnen Mitgliedsbetrieb und jeder Innung“, so Ziegler. „Darauf konzentrieren wir weiterhin unsere Kraft.“
Allianz für starke Interessenvertretung
Baden-Württemberg steht gemeinsam mit der großen Mehrzahl der Landesverbände und allen Fabrikatsverbänden für einen zukunftsfähigen Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), der die politische Interessenvertretung in Berlin und Brüssel schlagkräftig fortführt und nutzbringende Dienstleistungen für alle Mitglieder anbietet. „Dazu gehören alle Fragen des Handwerks, der Berufsbildung und des Handels“, so Ziegler weiter.
„Unser Ziel ist es, dass unsere Mitgliedsinnungen und Mitgliedsunternehmen keine negativen Folgen der Strukturdiskussion auf Bundesebene zu spüren bekommen“, erklärte Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß. „Im Gegenteil: Wir arbeiten weiterhin für eine Organisation, die die automobile Transformation aktiv mitgestaltet – in Stuttgart, in Berlin und in Brüssel.“
In seinem Bericht zur Lage des Gewerbes hatte Präsident Ziegler zuvor den „Jojo-Effekt“ der Förderpolitik kritisiert, der zu massiven Abschreibungen in den Betrieben geführt habe. Angesichts steigender Energiepreise und sinkender Wettbewerbsfähigkeit der Industrie warnte er vor übereilten Markteingriffen: „Durch die CO2-Strafzahlungen fließen Milliardenbeträge nach Amerika und China und stärken damit die Konkurrenz unserer Hersteller.“ Seine Botschaft an die Politik: „Dekarbonisierung und wirtschaftliche Notwendigkeiten müssen besser koordiniert werden. Die E-Mobilität wird kommen, aber sie braucht Zeit und der Verbraucher muss sie sich leisten können. Wir brauchen Technologievielfalt statt Verbrennerverbot, damit Mobilität für alle Bevölkerungsschichten bezahlbar bleibt.“
Das baden-württembergische Kraftfahrzeuggewerbe setzt auf konkrete politische Arbeit und führt bereits intensive Gespräche mit den Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, darunter dem Grünen Cem Özdemir und CDU-Fraktionschef Manuel Hagel sowie allen anderen relevanten Kandidaten. „Vor der Wahl gilt es, die landespolitischen Themen unserer Branche zu platzieren, damit sie sich nach der Wahl in einem Koalitionsvertrag wiederfinden.“ Gute Rahmenbedingungen für Schule und Infrastruktur, aber auch für die individuelle Mobilität im Allgemeinen sowie Antworten auf die Herausforderungen der Transformation seien dabei zentral.
Klare Position zur Berufsausbildung
Bei der Neuordnung des Berufsbilds Kfz-Mechatroniker sprachen sich die Delegierten für eine Konzentration auf die Schwerpunkte Pkw und Nutzfahrzeuge aus. Eine zweijährige Ausbildungsvariante mit Durchstiegsmöglichkeit zum Kfz-Mechatroniker wurde hingegen abgelehnt. „Wir setzen weiterhin auf eine fundierte dreieinhalbjährige Ausbildung, die unseren Fachkräften die notwendigen Kompetenzen für die komplexen Anforderungen moderner Fahrzeugtechnik vermittelt“, unterstrich Vizepräsident Rainer Biedermann.
Investition in die Zukunft
Die Delegierten stimmten zudem einer Erhöhung des Budgets für die Sanierung des Verbandshauses von 2,0 auf bis zu 2,4 Millionen Euro zu. Die Modernisierung wird voraussichtlich im Mai 2026 abgeschlossen sein und schafft optimale Rahmenbedingungen für die Betreuung der Mitgliedsbetriebe.
Ehrungen für Innovation und Tradition
Im Rahmen der Versammlung wurden zwei Persönlichkeiten geehrt, die beispielhaft für die Verbindung von Tradition und Innovation im Kfz-Gewerbe stehen: Hansjörg Russ (Innung Nürtingen-Kirchheim) erhielt die Silberne Ehrennadel für seine innovativen Projekte in der Öffentlichkeitsarbeit und sein Engagement im Bereich Wasserstofftechnologie. Wilhelm Supper (Innung Region Stuttgart) wurde für seinen langjährigen Einsatz für die Oldtimer-Branche und die Entwicklung des „Master Professional Restaurator im KFZ Handwerk“ ausgezeichnet.
„Tradition und Innovation schließen sich nicht aus, sondern bedingen und stärken sich gegenseitig“, würdigte Ziegler die beiden Geehrten. „Das zeigen diese beiden Persönlichkeiten eindrucksvoll. Und genau das gilt auch für Handel und Handwerk: Gemeinsam sind wir stärker – das ist der Weg des baden-württembergischen Kfz-Gewerbes in die Zukunft.“