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Mobilität darf nicht zum Luxusgut werden

Gebrauchte Elektroautos legen in Baden-Württemberg im Mai um 69 Prozent zu, während der Gebrauchtwagenmarkt insgesamt schrumpft. Das Kfz-Gewerbe sieht darin eine Ausweichbewegung vor steigenden Kosten und legt vier Vorschläge vor, damit Autofahren bezahlbar bleibt.

Stuttgart. Zum Monatsende läuft der Tankrabatt aus, eine Verlängerung hat die Koalition in Berlin ausgeschlossen. Tanken wird damit wieder teurer und mit ihm das Autofahren insgesamt. Dies betrifft alle Bereiche von der Anschaffung über die Versicherung bis zur Steuerbelastung auf Kraftstoffe. Die dauerhafte Antwort auf hohe Spritpreise wäre für viele Haushalte der Umstieg auf ein Elektroauto, dessen Betrieb vor allem beim Laden zu Hause deutlich günstiger ist. Doch genau dieser Umstieg scheitert bislang am Preis, denn ein durchschnittlicher Neuwagen kostet heute mehr als 44.000 Euro. Wie die Menschen dieses Dilemma auflösen, zeigen neue Zulassungsdaten, die der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg ausgewertet hat. In den ersten fünf Monaten des Jahres wurden in Baden-Württemberg gut 20.000 gebrauchte Elektroautos umgeschrieben, 69 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Gebrauchtwagenmarkt insgesamt war im selben Zeitraum leicht rückläufig. Bundesweit zeigt sich dasselbe Bild mit rund 150.000 gebrauchten Elektroautos in fünf Monaten und einem Plus von 76 Prozent.

Die Botschaft hinter diesen Zahlen ist aus Sicht des Verbands eindeutig: Die Nachfrage nach bezahlbarer Elektromobilität ist da. Sie spielt sich zunehmend dort ab, wo die Preise für breite private Käuferschichten realistisch sind, also vor allem im Gebrauchtwagenbereich. Dort ist der mittlere Angebotspreis Anfang des Jahres erstmals unter die Marke von 30.000 Euro gefallen.

Verbandspräsident Michael Ziegler: „Vor dieser Entwicklung haben wir im Frühjahr gewarnt und die neuen Zahlen bestätigen sie. Autofahren wird Schritt für Schritt zum Luxusgut gemacht. Die Menschen weichen auf gebrauchte Elektroautos aus, weil Neuwagen für viele unerschwinglich geworden sind. Ein Tankrabatt für zwei Monate ändert daran nichts. Was es braucht, ist eine Politik, die Mobilität dauerhaft bezahlbar macht. Unsere Vorschläge dazu liegen dem Bundeskanzler seit Februar vor.“

Vier Hebel für bezahlbare Mobilität

Der Verband benennt vier konkrete Stellschrauben, an denen Bund und Land ansetzen können. Wichtigster Hebel ist aus seiner Sicht die Erweiterung der Bundes-Kaufprämie auf gebrauchte Elektroautos unter 30.000 Euro. Die aktuelle Prämie fördert ausschließlich Neuwagen und schließt damit genau das Segment aus, in dem die Nachfrage am stärksten wächst. Dass das Bundesumweltministerium eine Prüfung erst für 2027 in Aussicht stellt, hält das Kfz-Gewerbe für zu spät. Die Förderung muss dort ankommen, wo die Menschen tatsächlich kaufen.

Beim Laden setzt der Verband auf Wettbewerb statt hohe Preise. Wer öffentlich lädt, zahlt teils fast das Doppelte des Haushaltsstrompreises, weil an vielen Ladepunkten die Konkurrenz fehlt. Das Durchleitungsmodell, für das sich der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) gemeinsam mit weiteren Verbänden einsetzt, würde es Kundinnen und Kunden ermöglichen, ihren eigenen Stromtarif an die Ladesäule mitzubringen. Ergänzend fordert der Verband sinkende Netzentgelte und einen gezielten Ausbau der Schnellladeinfrastruktur in Mietwohnvierteln, denn wer keine eigene Garage hat, darf beim Umstieg auf das Elektroauto nicht benachteiligt werden.

Von kurzfristigen Eingriffen nach dem Muster des auslaufenden Tankrabatts hält der Verband dagegen wenig. Befristete Rabatte verpuffen, strukturelle Kostensenkungen wirken dauerhaft.

Handel und Werkstätten halten den Markt am Laufen

Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß: „Die Instrumente liegen auf dem Tisch. Keines davon erfordert neue Milliardenprogramme. Wettbewerb an der Ladesäule kostet den Staat nichts, er erfordert nur den politischen Willen, ihn zuzulassen. Und eine Kaufprämie, die am Gebrauchtmarkt vorbeigeht, fördert an der Lebenswirklichkeit der meisten Haushalte vorbei. Unsere Autohäuser und Werkstätten sorgen schon heute dafür, dass gebrauchte Elektroautos geprüft, aufbereitet und mit Gewährleistung in den Markt kommen. Sie sind die Brücke zur bezahlbaren Elektromobilität, und diese Brücke verdient bessere Rahmenbedingungen.“