Die Versicherer machen teure Werkstätten für steigende Beiträge verantwortlich. Das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg hält dagegen und benennt die wahren Kostentreiber.
Stuttgart. Die Kosten rund ums Auto steigen an allen Fronten und auch die Kfz-Versicherung wird häufig teurer. Die Versicherungswirtschaft hat dafür einen Schuldigen ausgemacht: die Werkstätten. Steigende Werkstattkosten und Stundensätze trieben die Reparaturkosten und damit die Beiträge, so die wiederkehrende Begründung des Branchenverbandes der Versicherer. Das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg widerspricht entschieden. Die Darstellung verkennt, wer die Kosten tatsächlich treibt, und sie trifft Betriebe, die selbst von mehreren Seiten unter Druck stehen.
Verbandspräsident Michael Ziegler: „Wenn die Versicherer steigende Beiträge mit zu teuren Werkstätten begründen, machen sie es sich zu einfach. Die eigentlichen Kostentreiber sind die Ersatzteilpreise der Hersteller, das benennen die Versicherer selbst genauso, zudem die aufwendige Technik, die moderne Fahrzeuge verlangen. Wer als Betrieb einen sechsstelligen Betrag in Hochvolt-Technik und Diagnose investiert und am Ende ein bis zwei Prozent Rendite erwirtschaftet, ist kein Preistreiber. Er hält die Mobilität überhaupt erst am Laufen. Diesen Vorwurf lassen wir nicht auf den Betrieben sitzen.“
Was die Werkstattkosten wirklich treibt
Hinter den gestiegenen Stundensätzen steht keine Preistreiberei, sondern eine technische Aufrüstung, die die Betriebe leisten müssen. Ein Außenspiegel ist heute kein Anbauteil mehr, sondern Träger von Kameras und Sensoren, die nach jedem Eingriff neu kalibriert werden müssen. Fahrerassistenzsysteme verlangen teure Spezialausrüstung, die Arbeit an Hochvolt-Fahrzeugen erfordert eigene Werkstattbereiche, geschultes Personal und Sicherheitsinfrastruktur, die je nach Ausbaustufe pro Standort einen sechsstelligen Betrag kosten kann. Ein einziger Hochvolt-Schulungstag schlägt mit bis zu 2.000 Euro zu Buche. Diese Investitionen schlagen sich zwar im Stundensatz nieder, nicht aber in den Gewinnen. Die durchschnittliche Umsatzrendite im Kfz-Betrieb liegt bei ein bis zwei Prozent.
Servicegeschäft schrumpft, Druck der Versicherer wächst
Zugleich bricht dem Werkstattgeschäft die Grundlage weg. Der Fahrzeugbestand altert zwar, doch die Wartungsintervalle werden länger und Elektrofahrzeuge brauchen spürbar weniger regelmäßigen Service. Das Service-Volumen je Fahrzeug sinkt, während die Fixkosten bleiben. In diese Lage hinein verschärfen die Versicherer den Druck gleich doppelt: Sie kürzen Reparaturrechnungen häufig pauschal ohne sachlichen Grund und lenken über Werkstattbindung und Schadensteuerung immer mehr Kunden in eigene Partnerbetriebe. Schon heute kann nach dem aktuellen DAT-Report mehr als ein Drittel der Autofahrer im Schadenfall nicht mehr frei wählen, wer das eigene Fahrzeug repariert.
Was das Kfz-Gewerbe fordert
Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß: „Was die Werkstätten brauchen, ist keine Schuldzuweisung, sondern eine faire Partnerschaft. Dazu gehört, dass Versicherer Rechnungen nicht pauschal kürzen, sondern die tatsächlichen Aufwände einer fachgerechten Reparatur anerkennen. Dazu gehört die freie Werkstattwahl. Wenn schon heute mehr als ein Drittel der Autofahrer im Schadenfall nicht mehr selbst entscheidet, wer sein Fahrzeug repariert, dann wird das zu einer Frage des Verbraucherschutzes und des fairen Wettbewerbs.“
Der Verband richtet seine Forderungen dabei bewusst an die Stellen, an denen die wirksamen Hebel liegen. Bei den Fahrzeugherstellern geht es um faire Ersatzteilpreise, um einen ungehinderten Zugang der Werkstätten zu Reparatur- und Diagnosedaten, der nicht mit Verweis auf die Cybersicherheit verengt werden darf, und um Garantiebedingungen. Gegenüber der Versicherungswirtschaft geht es um die Sicherung