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Wirtschaft braucht Tempo, nicht nur Überschriften

Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg zum Sondierungsergebnis: Richtige Signale bei Bürokratie und Meisterförderung, aber konkrete Entlastung für Handel und Werkstätten fehlt

 

Stuttgart. Das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg begrüßt das Bekenntnis zum Autoland, das geplante Effizienzgesetz und die Aufwertung der Meisterausbildung im Sondierungsergebnis von CDU und Bündnis 90/Die Grünen. Zugleich vermisst der Verband konkrete Maßnahmen, die bei den rund 3.700 Betrieben mit 84.000 Beschäftigten im Land kurzfristig ankommen.

Ziegler: „Richtung stimmt, aber die Dosis reicht nicht“

„Das Bekenntnis zum Autoland und zur Technologievielfalt bei Antrieben war überfällig. Aber wer sich die Lage in den Betrieben anschaut, weiß: Gute Überschriften allein reichen nicht“, sagt Verbandspräsident Michael Ziegler. „Vielmehr kommt es darauf an, jetzt schnell Maßnahmen umzusetzen, die direkt bei den Betrieben ankommen. Denn die Zeit drängt: Die Zahl der Großinsolvenzen im Autohandel, also von Betrieben mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz, hat sich zuletzt verdreifacht: von elf auf 32. Viele Betriebe arbeiten mit einer Umsatzrendite von knapp über einem Prozent. Das ist kein Polster, das ist eine Rasierklinge. Jeder Betrieb, der schließt, nimmt Ausbildungsplätze und Fachkompetenz mit, die kein Förderprogramm zurückbringt. Und der Druck nimmt jeden Tag zu, nicht ab.“

Gute Ansätze, offene Flanken

Das Sondierungspapier enthält Ansätze, die das Kfz-Gewerbe seit langem fordert: Mehr Technologievielfalt bei Antrieben einschließlich Hybriden, Range Extendern und klimafreundlichen Kraftstoffen. Ein Effizienzgesetz, das alle landesrechtlichen Dokumentationspflichten ohne nachweisbaren Nutzen bis Ende 2027 auf den Prüfstand stellt. Kein Gold-Plating bei EU-Recht. Und ein Schritt zur Gleichstellung von Master und Meister mit einer Meisterprämie von 3.000 Euro.

Was aus Sicht des Kfz-Gewerbes fehlt: eine Förderstrategie für Elektromobilität, die über Neuwagenbesitzer hinausgeht und den wachsenden Gebrauchtwagenmarkt einschließt. Eine direkte Investitionsförderung für Betriebe, die sechsstellige Beträge pro Standort in Ladeinfrastruktur investieren müssen. Und eine Antwort auf die Frage, wie individuelle Mobilität für Normalverdiener, Familien und Pendler wieder bezahlbar wird: bei Ladestrompreisen, Spritkosten, Versicherung und Führerschein.

„Wirtschaftliche Stabilität muss Vorrang haben“

Ziegler formuliert eine klare Erwartung an die Landespolitik: „Elektromobilität darf nicht das Privileg von Neuwagenkäufern bleiben. Wir brauchen eine Förderstrategie, die den Gebrauchtwagenmarkt erreicht, denn dort entscheidet sich, ob klimafreundliche Mobilität in der Mitte der Gesellschaft ankommt. Die neue Landesregierung muss hier konkrete Weichen stellen. Dazu gehört auch eine ausreichende, einfache und kostentransparente Ladeinfrastruktur in städtischen Wohngebieten.“

Mit Blick auf die wirtschaftliche Gesamtlage stellt Ziegler klar: „Die wirtschaftliche Stabilität der Betriebe muss in dieser Phase Vorrang haben vor neuen regulatorischen Lasten. Die neue Landesregierung muss den Druck auf Berlin und Brüssel spürbar erhöhen: für eine CO2-Regulierung, die europäische Hersteller wettbewerbsfähig hält, statt sie in ein Preisdiktat zu zwingen, das am Ende Betriebe und Verbraucher gleichermaßen trifft.“

Beuß: „Effizienzgesetz und Meisterprämie sind echte Fortschritte“

Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß hebt die konstruktiven Elemente hervor: „Das Effizienzgesetz kann zum Modell für den Bund werden, wenn es konsequent umgesetzt wird. Und die Meisterprämie von 3.000 Euro stärkt die Meisterausbildung, die für unsere Branche existenziell ist: Denn eine große Zahl unserer Betriebe steht in den nächsten Jahren vor einer Betriebsübergabe. Ohne Meisternachwuchs fehlen die Nachfolger und damit auch die Basis für die 9.200 Ausbildungsplätze in Baden-Württemberg.“ An das künftig CDU-geführte Verkehrsministerium richtet Beuß eine klare Erwartung: „Wir erwarten, dass das Verkehrsministerium die Transformation wirtschaftlich denkt: Investitionsförderung statt reiner Regulierung. Wer Transformation will, muss den Mittelstand mitnehmen.“

Klare Maßstäbe für die Koalitionsverhandlungen

Der Verband wird die künftige Landesregierung an konkreten Ergebnissen messen: Werden Handel und Werkstätten bei der Transformation unterstützt? Wird Mobilität für Normalverdiener, Familien und Pendler wieder bezahlbarer? Und entsteht aus Stuttgart spürbarer Druck auf Berlin und Brüssel für unbürokratische Rahmenbedingungen, die den Wirtschaftsstandort stärken? 

Über den Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg

Der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg e.V. vertritt die Interessen von 3.688 Autohäusern, Kfz-Werkstätten und Tankstellen mit rund 84.000 Beschäftigten und 9.200 Auszubildenden in Baden-Württemberg. Im Jahr 2025 erzielten die Mitgliedsbetriebe einen Umsatz von rund 31 Milliarden Euro.